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Palästina · 1908-01-01 · Heft 8-9 · p. Seite 154

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
5 (1908)
Issue
Heft 8-9
Article
Lag-Baomer im Bezalel
Date
1908-01-01
Page
Seite 154 (sequence 5)
Language
German
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die Poesie dieses Buches kennen lernen kann; hier werden sie bei ihrem Volke sein. Die hiesigen verschiedenen jüdischen Typen werden ihre Modelle sein und von der hiesigen entzückenden Natur werden sie schöne Farben lernen; sie werden bei ihrem Volke wohnen, seine Sprache sprechen, seine Le'den, Freuden und Hoffnungen fühlen, seine Künstler sein, sie werden seine Ideale der Welt zeigen können, da sie selbst ein Teil des Volkes sind. „Bezalel" wird eine jüdische Kunst schaffen! — Wann? Wieviel Jahre muss man darauf warten? Dieses sind schon kleinliche Fragen. Es ist genug, dass dies einmal geschehen wird. Unbedeutend ist es, ob ich es selbst sehen werde, bedeutend aber ist das Faktum, dass es sein wird. Der erste Anfang ist bereits gemacht und falls ich es nicht vervollständige, wird sich ein anderer finden, der es tun wird. Der Architekt kann nur mit Energie und Liebe den Grundstein eines Baues legen, wenn er den ganzen zukünftigen Bau in seinem Geiste sieht. Dagegen aber kann man von Leuten, die nur einen Zufluchtsort suchen und nicht über die Zukunft des Hauses denken, 'nicht fordern, dass die Arbeit des Fundaments schätzen, und wir dürfen uns auch nicht wundern, wenn sie denken, dass der Architekt beim Aufgraben des Fundaments den ganzen Bauplatz zerstöre. In unserem „Bezalel" haben wir vorläufig den Grundstein gelegt — vielleicht habe ich damit zu viel gesagt — wir sind derweil beim Abräumen des Schuttes, der sich im Verlaufe Hunderter von Jahren hier eingenistet hat, um den rechten Boden für das Fundament zu finden. Ich darf also ^icht verlangen, dass alle mit meiner Arbeit zufrieden seien, aber eine Bitte will ich hier stellen: Vergesse man nicht, dass der „Bezalel"* noch jung wie ein Kind ist, dem man geben muss und von dem man nicht sehr viel verlangen darf, sei man mit ihm vorsichtig und falls man ihm nichts geben kann oder will, berühre man ihn wenigstens nicht mit groben Händen und lösche man ihm nicht seine Lebensfunken mit der eisigen Kritik, denn er könnte, Gott behüte, sterben!!" Der Saal war von dem unaufhörlichen Bravoklatschen erfüllt. Ich aber konnte nicht an dem Applaus teilnehmen, denn ich habe zu sehr die bittere Wahrheit gefühlt. Ich habe eingesehen, dass wir zu wenig den „Bezalel" unterstützen, so dass ich mich beschämt fühlte. Indessen wurden meine traurigen Gedanken verscheucht, als der zweite Redner, Herr Eisenstadt, mit begeisterten Worten für den Kreis der Verehrer des< „Bezalel" — und deren gibt es nicht wenige — sprach. Noch einen tieferen Eindruck machte auf mich Herr Scheinkin, der den „Bezalel" zu seinem Feste im Namen seiner Schwester „Gimnasia ibrit" (des hebräischen Gymnasiums) begrüsste_ Das war ein Wunsch von einem1 Arbeiter an den anderen, tvon 154

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