Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 5 (1908)
- Issue
- Heft 8-9
- Article
- Lag-Baomer im Bezalel
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 153 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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haben zuletzt verneinend geantwortet. Ich selbst, als ich noch im Golus war, habe ich auch diese Meinung geteilt, aber jetzt denke ich anders. Wir finden zwar winzige Spuren alter jüdischer Kunst, aber nicht deshalb, weil wir eine solche nicht gehabt, sondern weil niemand da war, der sie aufbewahrte. Wäre das Bezalelmuseum vor tausend Jahren gegründet worden, dann ginge es uns jetzt bei unserer Forschung viel besser und könnten wir leichter ein jüdisches Museum schaffen, aber da wir erst jetzt ein solches zu machen anfangen, finden wir nichts. Und doch will ich behaupten, dass bei uns eine Kunst einmal existiert hat. Beträchtet die jüdischen alten Münzen und Lehmlampen in unserem Museum und Ihr werdet einsehen, wie nahe die Juden der Natur waren. Harfe, Krug, Aehren, Palmen und Trauben, dies waren die Symbole, die der Jude auf seine Münze geprägt hat. Wir besitzen eine Münze von Bar Kochba, auf welcher man ein Zeichen sieht, dass sie früher die Münze des Vespasian war und die das Bild einer in Ketten gebundenen weinenden Jüdin zeigte und diese hat Bar Kochba gewechselt und Hess auf der einen Seite eine Palme und auf der anderen eine Harfe mit der Aufschrift „Zur Befreiung Jerusalems" prägen. Ein besseres Zeugnis noch für die Liebe des Volkes zur Natur ist das Schir-Haschirim. In diesem hohen schönen Lobesliede, das ein Mensch jemals der Natur gesungen hat und welches zu bewahren die Talmudisten sich nicht ohne Ursache weigerten, da es das heiligste aller Heiligtümer ist, in diesem Liede sieht man die tiefe Liebe und grenzenlose Begeisterung für die palästinensische Natur, die ich nur in Palästina verstehen konnte. Ein Volk aber, welches solche Lieder gesungen, hat gewiss das Haus und die Schmucksachen seiner Geliebten wunderschön verziert. Und lesen wir unsere Bibel, da sehen wir, wie weit das Volk ihren Künstler Bezalel ben Uri verherrlichte, so dass man ihn den „Geist Gottes" nannte, während die Römer, welche später waren, ihre Künstler Sklaven nannten und behaupteten, ein freier Mann könne kein Künstler sein. Wir lesen auch, wie die Bibel mit Liebe alle Einzelheiten, wie die Tempel gebaut werden, erzählt und auch hier die Künstler mit Lob erwähnt. Dies tut nur ein Volk, welches die Kunst liebt und sich mit ihr beschäftigt. In Gold und teueren Metallen ist uns nichts geblieben; wir konnten sie nicht aufbewahren und Fremde haben sie von uns genommen 'und sie eingeschmolzen, um mit ihnen dann ihre Götter zu verlieren. Aber wir sind ein Volk des Buches und haben im finsteren Golus dieses Buch wie unsern Augapfel gehütet und dieses allein kann uns manche Fragen hier aufklären. Und dieses Buch wird die Schüler des „Bezalel" lehren, die schöne Natur unseres alten Vaterlandes zu verstehen, weil man nur hier 153