Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 5 (1908)
- Issue
- Heft 8-9
- Article
- Lag-Baomer im Bezalel
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 152 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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zeigt. In den von uns gegründeten verschiedenen Museen können wir nicht die Phantasie und Poesie unseres Volkes sehen, wie es sein eigenes und Gottes Haus verziert und seine Ideale über die Schönheit und Erhabenheit ausgedrückt hat, woraus wir seine Seele und sein Herz, seine Leiden, Freuden und Hoffnungen ersehen könnten. Alldies sehen wir nicht an den tausenderi verschiedenen Gegenständen, welche für schweres Gold gekauft sind, überall sehen wir nur eine Nachahmung fremder Motive, wie der Jude mit fremder Phantasie sein Bethaus geschmückt und an der Stelle des Kreuzes den „Magen David" und anstatt der lateinischen eine hebräische Aufschrift hingestellt hat, so dass wir bei diesen leicht die Periode und das Land, wo sie gemacht worden sind, unterscheiden können. Sogar die Hagada und die Megilla, die wir mit verschiedenen Zeichnungen verziert und in geschmückten silbernen Deckeln eingefasst haben, auch diese einzigen, bei denen wir solches zu tun uns erlaubt haben, zeigen keine Spur von der Poesie der herrlichen Feste, von welchen sie sprechen; ihre Verzierungen sind schlechte Kopieen nach fremden Motiven. Ich habe alle jüdischen Museen besucht und alle Gegenstände mit Herzweh und Schamgefühl betrachtet. Ich habe damals alle Völker beneidet, sogar die Eskimos, die, obwohl eine barbarische, doch eine eigene Kunst besitzen. Aber noch mehr war ich beleidigt, als ich die Arbeiten der jüdischen Künstler, wie Kaufmann und seine Kollegen, sah, die das „jüdische Leben" vorstellen sollten. Sie erinnerten mich an jene Clowns im Zirkus, die, um das Publikum zum Lachen aufzumuntern, sich als Juden vorstellen. Jene glauben, dass es genug sei, Peies mit einem jüdischen Barte zu malen, um uns das jüdische Leben zu zeigen. Nein, wir haben keine jüdische Kunst und besassen lange Zeit eine solche nicht, weil die Kunst nur bei einem Volke, welches in seinem eigenen Lande wohnt, existiert. Nur in seinem Lande kann das Volk für sein Heiligtum einen ewigen Tempel errichten, wo der Beste die Grösse seines Genies zeigen kann, was als Muster der Schönheit und Erhabenheit für das ganze Volk bleibt. Nur jener Künstler, welcher bei seinem Volke wohnt, kann ein Volkskünstler sein und den Geist und das Leben deines Volkes richtig in Farbe wieder hergeben. Und wir — wir sind zweitausend Jahre lang gewandelt und was kann ein Wanderer errichten — ein Zelt! Unsere Kinder aber, welche Künstler sein wollen, mussten uns verlassen, bei anderen Völkern lernen und den Fremden ihre Kenntnisse weihen. Ja, schwer ist es, ein Volk ohne Land zu sein und noch schwerer ist für dieses Volk die Schaffung einer eigenen Kunst. Haben wir Juden einmal, als wir ein Volk auf eigenem Lande waren, eine Kunst besessen? Mit dieser Frage haben sich bereits viele Gelehrte und Künstler beschäftigt, und fast alle 152