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Palästina · 1908-01-01 · Heft 8-9 · p. Seite 151

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
5 (1908)
Issue
Heft 8-9
Article
Lag-Baomer im Bezalel
Date
1908-01-01
Page
Seite 151 (sequence 2)
Language
German
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überfüllt und alle wendeten ihre Blicke der Rednerbühne zu, welche von Bezalelteppichen geschmückt war. Herr Prof. Boris Schatz, Leiter des „Bezalel", eröffnete mit einer schönen begeisterten hebräischen Rede die Feier. Herr Prof. Schatz war damals erregt, er hat viel gearbeitet und sah endlich voll Glück, wie seine Träume sich langsam, langsam verwirklichen; er war erregt vor Freude und Glückseligkeit, als er unter anderem folgendes sprach: „. . . Und jetzt will ich ihnen von der Zukunft des „Bezalel" erzählen, was er, wenn er gross ist, machen wird. Vielleicht, wenn Sie das wissen, werden Sie ihn, wie ich, schätzen, und wünschen, dass er auch später, wo ich vielleicht nicht mehr sein werde, existiere. Da wir heute Jörn Tow haben, werde ich nicht in Bezug auf die materiellen, sondern die geistigen Aussichten sprechen. Lassen Sie mir dieses Vergnügen, dieses Mal, nach Verlauf von zwei Jahren Arbeit, nicht von Geldangelegenheiten zu reden, und wünschen, dass man meine Arbeit nicht mit der Krämerwage wiege und meine Liebe, Seele und mein Herz, die ich diesem Unternehmen geopfert, nicht mit Kupfermünzen abschätze. In der letzten Zeit, als ein Aufleben des Volkes sich zu entwickeln anfing, als man das Bedürfnis für eine nationale Sprache, Literatur, Kultur und ein eigenes Land fühlte, da sah man den Mangel einer jüdischen Kunst ein. Man fing also an, in vielen Orten, wie Paris, Frankfurt, Wien u. a., verschiedene jüdische Antiquitäten zu sammeln, um ein jüdisches Museum zu gründen, man unterstützte junge jüdische Künstler und sogar eine jüdische künstlerische Zeitung fing zu erscheinen an. Leider aber haben alle diese Unternehmungen nicht das gewünschte Ziel gebracht, eine jüdische Kunst haben sie doch nicht geschaffen. Wir haben zwar jüdische Künstler, deren Namen allen bekannt und in der Weit berühmt sind. Mein seliger Lehrer Antokolski war zu seiner Zeit einer der grössten Bildhauer der Welt, für jüdische Kunst hat er nichts gemacht, obwohl er in seinem Herzen ein treuer Jude war. Er hat selbst gefühlt, dass er nicht für sein Volk, zu dem sein Herz ihn so zog, arbeitete. Sein ganzes Leben war daher eine furchtbare Tragödie, welche er durch seinen Stolz zu verhehlen verstand, damit kein Fremder sie gewahr würde. Unter unseren Komiteemitgliedern befinden sich zwei weltberühmte Künstler, Josef Israels und Prof. Max Liebermann. Den Namen des ersteren hat Holland auf sein Nationalmuseum aufschreiben lassen und mit dem zweiten stolziert Deutschland, in dem als Vorkämpfer der modernen Kunst gilt. Leider aber kann unser Volk sich ihrer nur damit rühmen, dass sie „biwrito schel Anraham Awinu" eingeführt worden sind. Sie sind uns fremd, sie sind uns fern, denn mit ihrem kräftigen Pinsel haben sie nicht die Seele unseres Volkes der Welt ge- 151

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