Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 5 (1908)
- Issue
- Heft 8-9
- Article
- Die Kunstgewerbeschule Bezalel in Jerusalem
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 149 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Schüsse aufzuweisen. Man kann mit Sicherheit behaupten, dass diese Ware, falls man die Abteilung vergrössert, in welchem Falle man imstande sein wird, schönere und billigere Arbeit herzustellen, viel verkauft und Verdienst bringen wird. Noch während dieses Monats wird eine neue Abteilung und zwar für Filigranarbeiten als Probe eröffnet werden. Die Mittel dafür hat Herr Pollak, Moskau (Frs. 3000, Frs. 600 jährlich) gegeben und man hofft, dass sie keine grossen Unkosten verursachen wird, da man sie in kleinem Massstabe anfangen wird. Nach dem Sukkotfeste wird man die Korb- und Möbelflechterei einführen. Zu diesem Zwecke wird hierher ein Fachmann, Herr Popovits aus Ungarn, kommen. Man glaubt, hier für die einfache und in Aegypten und England für die bessere Art einen guten Markt zu finden. Da in Palästina für Industrieprodukte kein Markt existiert und man einen solchen im Auslande suchen muss, hat der Bezalel beschlossen, sich nur mit solchen Waren zu beschäftigen, die von der Kunst abhängig sind (mit Ausnahme der Steinhauerei, für welche hier ein guter Markt existiert). Aus diesem Grunde befindet sich im Bezalel eine Kunstabteilung mit dem Programm einer europäischen Kunstgewerbeschule, deren Schüler nach Absolvierung ihres Kurses, der drei Jahre dauert, Musterzeichner und Meister sein werden. Selbstverständlich wird in dieser Abteilung nur eine bestimmte Zahl von Schülern laut den Forderungen der Bezalelwerke aufgenommen. Jetzt zählt diese Abteilung 20 Schüler. Für diejenigen, die noch keine Schule besucht haben, hat man in der Schule eine Präparandie, welche auch als Probeklasse für die neuen Schüler dient. Ausserdem werden 20 'Lehrerinnen der hiesigen Kindergärten dreimal wöchentlich im Zeichnen unterrichtet Als erfreuliches Resultat dieser Kunstabteilung kann man mit Stolz das Ausbilden eines jüdischen Stils anführen, welchen man an allen Arbeiten des Bezalel bemerkt. Erwähnenswert ist auch das Bezalelmuseum mit seinen drei Abteilungen: 1. Zoologie und Mineralogie, 2. Antiquitäten, 3. Moderne Kunst. Dieses ist mit sehr geringen Mitteln geschaffen und doch ist es schon jetzt eine Zierde für das Judentum Palästinas. 1 Wer weiss? Vielleicht könnte der Bezalel viel bedeutendere Resultate trotz der so kurzen Zeit seines Bestehens aufweisen, vielleicht — wenn man ihn gehörig unterstützte! Nicht in zwei Jahren kann eine unbemittelte Schule den von langer Zeit her schlimmen Zustand Jerusalems verbessern. Der Bezalel zeigt aber den Fachleuten, dass man die hiesige Lage mittelst seiner Pläne sehr zum Guten ändern kann. Er erwartet jetzt die kräftige Hilfe unserer Brüder in der Diaspora, damit er 149