Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 5 (1908)
- Issue
- Heft 8-9
- Article
- Die Kunstgewerbeschule Bezalel in Jerusalem
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 146 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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zu schaffen, was aber nicht auf einem Fusse stehend geschehen kann. Nicht in einem Jahre sind wir in den schlechten Zustand geraten und nicht in einem Jahre wird er verbessert werden können. •Der Bezalel ist demnach nicht ein Gegner der Chaluka, sondern ein Unterstützer der von der Chaluka Erschlagenen. Wozu leugnen? Die Chaluka geht unter, das Volk bedarf Lebensmittel und wenn wir jetzt keine andere Quelle dafür finden, dann ist fast das ganze hiesige Jischuno in Gefahr. Jetzt, solange die Chaluka noch existiert, ist es möglich, die Armen Arbeit zu lehren, denn später, beim Verschwinden derselben, wird es unmöglich sein. Also kam Herr Professor Schatz und gründete hier den Bezalel. Herr Professor Schatz ist gewiss jedem bekannt, doch möchte ich hier einiges zu seiner Charakterisierung bemerken. Professor Schatz besitzt eine gewaltige Phantasie, wie auch eine gewaltige Energie und Ausdauer. Er kann über manches denken, was andern wirklich nur als leere Phantasie erscheint; seine Energie wirkt aber mit ihr zusammen; er arbeitet ohne Rast und endlich sieht man ein, das sein Traum kein Traum ist. Wie? Jerusalem, das „Schnorrernest", und eine Kunstgewerbeschule, die „Chalukaner" und Arbeit? Wer wird dazu Mittel geben? Hätte man den „Bezalel" in Argentinien, Kanada, oder sogar im Sudan gegründet, dann wären viele Organisationen bereit, ihn zu unterstützen, aber nicht in Palästina — wozu haben die palästinensischen Schnorrer eine Kunstgewerbeschule nötig! Man wird sie 'solange mit dem Bettelbrote der Chaluka füttern, bis sie einer nach dem anderen das Land verlassen und von einem Lande zum anderen wandern werden. Es fanden sich aber Männer, und wenn nicht viele, so doch die richtigen, wie die Herren Prof. Warburg, Dr. Franz Oppenheimer und andere, die den Plan des Bezalel unterstützten und sich bemühten, die Möglichkeit zu finden, denselben auszuführen. Herr Prof. Schatz wollte hier ganz neue Industrien einführen und er musste daher alle in einem kleinen Format als Probe anfangen, damit sie keine hohe Kosten verursachen. Vorläufig haben zwei Ateliers ihren Probekreis verlassen, Teppichknüpferei und Steinhauerei und auch zwei Abteilungen für Holzschnitzerei und Rahmen mit Perlmutterverzierung arbeiten heute schon mehr als Proben. Die Teppichknüpferei. Diese Arbeit ist für Mädchen bestimmt und es arbeiten jetzt in diesem Atelier 50 Arbeiterinnen, von welchen 17—20 monatlich ca. 10—20 Frcs. verdienen, und 21 Schülerinnen, die noch keinen Lohn erhalten. Der Lehrkurs dauert ein Jahr, man fängt aber zuhause erst nach Verlauf des 146