Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 5 (1908)
- Issue
- Heft 8-9
- Article
- Die Kunstgewerbeschule Bezalel in Jerusalem
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 145 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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worden, dass uns noch jetzt, trotz Aufbietung aller unserer Kräfte, sehr schwer ist, uns von demselben zu befreien. Ich will hier nicht schlechtherzig, ich schäme mich auch nicht zu sagen, undankbar sein, die „Chaluka" gering zu schätzen, denn obwohl sie uns viel Schlechtes brachte, hat sie doch, das können wir nicht leugnen, viel, sehr viel Gutes getan. Sagt, was ihr wollt, aber wahr ist es, dass Jerusalem ohne die „Chaluka" nicht so bewohnt wäre, wie es jetzt der Fall ist. Ihr knirscht mit den Zähnen gegen die Chaluka, sie hat uns unglücklich gemacht, unsern Geist erniedrigt, ist an allem Schuld, aber zürnet nicht, wenn ich auch ausrufe: Hut ab vor ihr! Ohne die Chaluka, ich wiederhole meine Worte, hätten wir hier nicht so eine jüdische Bevölkerung gehabt! Betrachtet hier die vielen Höfe — wer hat diese errichtet? Die Chaluka! ... Wir sind also von der „Chaluka" gegen unseren Willen in den Sumpf geschleppt worden. Nicht die Jerusalemer sind zu beschuldigen, dass ein grosser Teil von ihnen Chalukaner sind. Wollt ihr aber wissen wei* daran schuld ist? — Die Philanthropen im Auslande! Unsere barmherzigen Brüder wollten uns eigentlich helfen, besassen aber weder Zeit noch Lust, unsern Zustand richtig zu erforschen, um den passenden Weg für ihre Hilfe zu finden und da gäben sie wegwerfend ihre Almosen, und wir Arme waren gezwungen, unsere Hand auszustrecken, um die Pfennige der „Zedaka" aufzufangen. Man hat in der Welt über uns eine Legende verbreitet, dass wir die Arbeit verschmähen und das Schnorren auserwählen. Unsere immerwährende Appelle: „Nicht Almosen, sondern Arbeit!u haben sie nicht erreicht. Man setzte fort, uns mit dem Bettelbrote zu füttern und wir mussten es empfangen. Endlich fing sich etwas im Jerusalemer Leben zu regen an. Die Jugend konnte die Erniedrigung der „Chaluka" nicht mehr ertragen und suchte Mittel, um sich von derselben zu befreien. Aber sie erlangte nichts, denn ohne die „Chaluka" musste sie gar das Land verlassen und nach Amerika emigrieren. Viele sind wirklich ausgewandert und diejenigen, die ihre Liebe zum Lande hier festhielt, blieben in dem* früheren Zustand. Manche versuchten ihr Glück im Handel und manche wendeten sich den hiesigen Schulen zu, aber alldies kann sehr wenig den schlechten Zustand hier ändern, nur ein Mittel könnte denselben verbessern und dies ist — die Gründung von Fabriken und Verbreitung der Industrie im Lande. Da kam der Bezalel! Erschrecket nicht. Vorläufig hat der Bezaiel den schlechten Zustand noch nicht geändert und es bis jetzt nicht tun können. Er macht vorläufig mit verschiedenen Industrien Versuche, ob sie hier eine Zukunft haben. Das ist seine jetzige Aufgabe, sein Ziel ist zwar grösser und erhabener, er will versuchen etwas Wirkliches und Dauerhaftes 145