Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 5 (1908)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Über die jetzigen Kultur- und Bildungsverhältnisse der Juden Palästinas
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 124 (sequence 6)
- Language
- German
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gegründet. Dieser verfolgt hauptsächlich den Zweck, die jüdische Bevölkerung über die Ziele des „Bezalel" aufzuklären, Sinn für Schönheit, Kunst und Kultur durch Veranstaltungen von Kunstausstellungen, belehrenden Vorträgen u. dgl. zu wecken. — Eine rege Tätigkeit entwickelt der bekanntlich nach dem VIII. Kongress nach Palästina Verlegte Iwria-Verband. Seine Vertreter befahren die Städte des Landes und halten in denselben verschiedene belehrende Vorträge. Es werden auch in den Städten und Dörfern Zweigvereine zur Förderung der hebräischen Sprache und Literatur begründet. — Von besonderem Interesse dürfte die Anführung des Vereines „Kinor-Ziona in Jerusalem sein, der sich die Pflege der Vokai- und Instrumental-Musik zur Aufgabe machte. Verschiedene musikalische Abende und Konzerte, die er während seines Bestehens veranstaltete, legten Zeugnis ab von der ausserordentlichen Beliebtheit des jungen Vereins im jüdischen Publikum. Es werden jetzt Abendkurse für Gesang und Musik 'eingerichtet, die sich eines starken Zuspruchs erfreuen. Beachtung verdient noch die Tätigkeit des Vereins „Die Freunde der dramatischen Kunst" in Jaffa, der sich jüngst sogar zur Aufführung von Ibsens „Volksfeind" heranwagte. — Was die Ständeorganisationen in Palästina betrifft, so kommen hier vor allem der Lehrerverband iund die Arbeiterorganisationen in Betracht. Der erstere, begründet zu Ende 1903, bestand anfangs auch aus Nicht- Professionellen, gegenwärtig laber aus lauter Lehrern. Derselbe bezweckt die Verbesserung und Regelung des Bildungs- und Erziehungswesens, wie der Lage der Lehrer in Palästina. Auch die intensive Förderung der Volksbildung unter den breiteren jüdischen Massen gehört in sein Programm. Als Mittel sind unter anderem ins Auge gefasst die Abhaltung von Lehrerkonferenzen, welche Erziehungs- und Schulfragen, wie auch die breiteren Volksmassen bezügliche Bildungsfragen behandeln und eine Fühlung zwischen den Standesgenossen herbeiführen sollen, die Festlegung von Lehrplänen für Stadt- und Dorfschulen, wie auch entsprechender Volksbildungsniethoden, die Schaffung und Herausgabe geeigneter Lehrbücher und endlich die Einführung einer Prüfung für Haupt-, Hilfs- und Kinderlehrer. So manches hervorragende und für das palästinensische Bildungswesen im allgemeinen eminent nützliche Werk wurde während der verhältnismässig kurzen Zeit seines Bestehens von ihm geleistet. Auf welcher hohen Stufe des Bewusstseins von ihrer Mission und ihren grossen Pflichten die palästinensische Lehrerschaft steht, zeigt die hingebungsvolle Tätigkeit und ihr ideales und aufrichtiges Bestreben, den kulturellen Bedürfnissen der 124