Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 5 (1908)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Über die jetzigen Kultur- und Bildungsverhältnisse der Juden Palästinas
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 122 (sequence 4)
- Language
- German
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friedenstellende, ihrem Berufe entsprechende Zeitschriften herauszugeben. Es existierten zwar zwei Zeitungen in hebräischer Sprache, nämlich der orthodoxe „Habazeleth", das Organ der palästinensischen Chalukah und die literarisch-progressive (radikale) „Haschkafa", die von Ben Jehoida redigiert wird; man hat auch ein literarisch-publizistisches Sammelbuch herausgegeben; — aber all dies Hess so manches zu wünschen übrig. Erst in der letzteif Zeit ist ein vollständiger Wandel in dieser Hinsicht bemerkbar. Jener „Drang nach Osten", welcher jüngst viele unserer Jugend nach Palästina hintrieb, veranalsste gleichzetiig eine Ansammlung hebräischer Schriftsteller im Lande unserer Zukunft. Und so leben dort gegenwärtig ausser den daselbst schon längst weilenden Ben Jehouda, Jellin und Smelianskis, ausser einigen im Lande bereits geborenen jüngeren Literaten, der bekannte A. Z. Rabinowitsch, S. Ben-Zion, Radler, Wilkanski, Gnesin und andere noch. Dank dieser so günstigen Anordnung der Dinge, wie auch der bereits geschilderten, allmählich wachsenden geistigen Wiedergeburt der Judenheit Palästinas, entstanden im1 vorigen Jahre daselbst zwei hebräische Zeitschriften: „Haomer" und „Hapoel Hazoir". — Die erste, eine Quartalsschrift, ist rein literarisch-wissenschaftlichen Charakters. Mit aussergewöhnlicher Begeisterung in unserer Literatur aufgenommen, zeichnet sich diese Schrift durch einen sehr reichhaltigen Inhalt aus. Denselben schöpft sie fast ausschliesslich aus dem heimischen Boden, mit dem sie im inneren Konnex ist. Die Liebe zur Heimat, die mit derselben verwachsenen Sagen, das Leben der altwie der neujüdischen Bevölkerung Palästinas, die Geschichte der Kolonisation und die Bedingungen ihrer zukünftigen Entwicklung — das ist es, was den Inhalt des „Haomer" ausmacht. — Die zweite, einstweilen eine Monatsschrift, ist sozialaktueller Natur. Durch die jüdischen Arbeiter in Palästina begründet, wurde sie mit grossem Beifall in der jüdischen Bevölkerung aufgenommen und erfreut sich eines guten Absatzes. Die bisher erschienenen Nummern machen einen sehr guten Eindruck. Ausser den Parteifragen werden sowohl Fragen allgemein-jüdischen als auch zionistischen Charakters behandelt Unter einem national-progressiven Teil der Bevölkerung hat sich seit einiger Zeit das Bestreben geltend gemacht, ein eigenes hebräisches Wochenblatt ökonomisch-politischer Natur herauszugeben, welches den Interessen der Judenheit Palästinas und des nahen Orients gewidmet sein soll. Es sollen auf diese Weise die Hunderttausende von Juden weniger auf die verschiedensprachigen und verschiedenfarbigen Zeitungen der fremden Länder und Völker angewiesen sein, und sich besser in dem Kreise der eigenen, natürlich liegenden Interessen finden. Die Konkretierung dieses Strebens wird angesichts der so ra- 122