Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 5 (1908)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Über die jetzigen Kultur- und Bildungsverhältnisse der Juden Palästinas
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 121 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2379786-2379804-2379811-2413903--01832-2413954- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
In S a f e d befindet sich ebenfalls eine moderne Bibliothek, die vor paar Jahren durch eine kleine Gruppe Menschen daselbst gegründet wurde. Zu Ehren des achthundertjährigen Jubiläums des Maimonides hat in T i b e r i a s eine kleine Gruppe gebildeter Juden einen Aufruf an die palästinensischen Juden zwecks Gründung einer Bibliothek daselbst gerichtet; leider hat derselbe noch nicht sein Ziel erreicht.1) Einer sehr grossen Popularität seitens der jüdischen Bevölkerung in Jerusalem erfreut sich das Beth-Am (Volkshalle). In demselben befinden sich eine Lesehalle, ferner ein Gesang-, Klub- und Büffetzimmer. Im Lesezimmer befinden sich fast alle jüdischen Zeitschriften. Zahlreiche Vorträge werden hier von verschiedenen Rednern abgehalten, von denen hervorzuheben sind: Ben-Jehuda (Kabbala und Jaschar Mikandja), Dr. Jahuda (Entwicklung des Prophetismus), Dr. Masie (Die Malaria), Dr. Mossinsohn (Hebräische Sprache und jüdische Geschichte) etc. Das Beth-Am ist das einzige Institut in Jerusalem, welches ohne irgend welche Subvention lediglich aus den Beiträgen der Mitglieder erhalten wird. Auch zahlreiche Jeschibahbibliotheken sind im Lande vorhanden. Vor allem in Jerusalem in grosser Menge, dann in Hebron, Tiberias und Sahed. In diesen sind sehr oft wertvolle Werke zu finden. Auch in den meisten Kolonien befinden sich kleinere Bibliotheken und Lesehallen. In den kleineren Kolonien ist die Bibliothek privatim untergebracht, in anderen ist ein besonderes Zimmer dafür reserviert. In Sichron Jakob und in Rischon Le Zion bestehen besondere Lokale. In der letzteren ist die Bibliothek im „Bet Haam", im Volkshause, angebracht. Das Zeitungswesen in einem Lande ist in mancher Hinsicht ein Abbild des kulturellen Standes desselben. In einem auf einer höheren Entwicklungsstufe stehenden Lande ist das Zeitungswesen reicher, differenzierter und mannigfaltiger. Ein kulturell tiefer stehendes Land hat noch eine primitive, undifferenzierte Journalistik. — Es ist ganz natürlich, dass unter der jüdischen Bevölkerung Palästinas, das sich kulturell erst zu entwickeln beginnt, das Journalwesen bis vor einiger Zeit so ziemlich ärmlich war. Nicht etwa in dem Sinne, als ob man nicht das kulturelle Bedürfnis, Zeitungen zu lesen, empfunden hätte, denn — wie schon früher erwähnt — befanden sich in jedem* Verein oder in jeder Bibliothek verschiedene europäische Zeitungen. Aber man war auf journalistischem Gebiete sehr wenig produktiv. Man hatte noch inicht die kulturelle Möglichkeit, zu- *) Wir wollen hier noch an die vielen kleineren modernen Bibliotheken erinnern, die sich in den verschiedenen in den Städten und Dörfern befindlichen Vereinen und Gesellschaften befinden. 121