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Palästina · 1908-01-01 · Heft 7 · p. Seite 120

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
5 (1908)
Issue
Heft 7
Article
Über die jetzigen Kultur- und Bildungsverhältnisse der Juden Palästinas
Date
1908-01-01
Page
Seite 120 (sequence 2)
Language
German
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wissenschaftliche Vorträge. Ausser Vorlesungen über allgemeine Lehrgegenstände werden auch solche über spezielle Disziplinen, so z. B. über die sanitären, ökonomischen, politischen Verhältnisse des Landes, besonders für die Imigranten gehalten. Neben den Vorträgen werden auch verschiedenartige Kurse eingerichtet, z. B. für die Immigranten zur Erlernung von Sprachen. Das meiste Gewicht wird in diesen auf die arabische Landessprache gelegt, und zwrar nicht nur aus politischen, aber vorwiegend aus praktischen Gründen. Ohne Kenntnis derselben fühlt sich selbst der Energischeste und Fähigste hilflos. Der Araber kommt als Taglöhner oder als Beamter auf Schritt Mnd Tritt mit dem Juden in Berührung und ein natürlicher Sprachaustausch findet dauernd statt. — Es wird noch geplant, Kurse für Korrespondenz und Buchhaltung einzurichten. Dies könnte so manchem jungen Manne die Möglichkeit verschaffen, irgend einen Dienst in einer Bank oder grösserem Geschäft in Palästina anzunehmen. Ein sehr gutes weiteres Bildungsmittel sind die jüdischen V o 1 k s b i b 1 i o t h e ke n. — An erster Stelle rangiert die jüdische Nationalbibliothek in Jerusalem, die ihre Entstehung dem Dr. Chasanowitsch aus Bialystock verdankt. Diese im schönen Neubau in der Jaffaer Vorstadt befindliche Institution sollte dem idealen Gedanken ihres Initiators gemäss dem Londoner British-Museum ähnlich sein. Jedoch ist dies in sehr geringem Masse bis jetzt erreicht. Ausser einer sehr reichhaltigen Sammlung jüdischer und nichtjüdischer, alter und moderner Literatur, — die Bibliothek zählt nämlich über 30 000 Bände —, sind hier auch viele Seltenheiten, wie z. B. verschiedene Handschriften, Berichte und Statuten alter Vereine, ältere Aufrufe und Gelegenheitsbroschüren, Photographien und Bilder berühmter jüdischer Männer, verschiedene Holzschnitte, Medaillen, Münzen, Antiken usw. zu finden, die während der zwölfjährigen Existenz der Bibliothek für diese gesammelt wurden. Sie hat auch eine öffentliche Lesehalle mit vielen Journalen und Zeitungen. Die zweitwichtigste Bibliothek ist die „Schaar Zion" in Jaffa, die 1391 von der Chowewe-Zion in Odessa gegründet und von ihr fauch zum grossen Teil unterhalten wird. Diese seit 1906 in dem neuen Hause des „jüdischen Klubs" befindliche Bibliothek weist einen sehr erfreulichen Zustand auf. Sie hat einen sehr reichhaltigen Umfang von verschiedenartigen Büchern, die jedoch wenige wertvolle wissenschaftliche Werke aufweisen. Auch mit einer öffentlichen Lesehalle, in der sich hebräische, deutsche, russische und Jargonzeitungen befinden, ist sie versehen. Mit Nutzen verbringt dort der ansässige Jude oder der Immigrant und der Kolonist, der in die Stadt kommt, seine freie Zeit. — 120

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