Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 5 (1908)
- Issue
- Heft 5-6
- Article
- Systematische Palästina-Arbeit
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 96 (sequence 3)
- Language
- German
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wollen, als würden wir etwa teilweise Stellung, nehmen gegen eine Sondergründung des Misrachi, weif von der orthodox-jüdischen Partei ausgehend. Im Gegenteil, um das bei dieser Gelegenheit zu bemerken, wir halten jede Stellungnahme gegen die gesetzestreuen Juden für verfehlt und halten die Einlieitsschule, die die jüdische Tradition ehrt und berücksichtigt und neben obligatorischen noch in fakultativen Stunden die weitgehendste Kenntnisnahme der jüdischen Schrift ihren Schülern ermöglicht, für die einzig erstrebenswerte Anstalt* Noch ein Punkt ist dabei zu bedenken. Nämlich ob es nicht aus Utilitätsgründen geboten wäre, den Arabern den1 Besuch jüdischer Schulen zu ermöglichen resp. zu erleichtern. Gross wird ja deren Zahl wofyl kaum werden. Aber manche überzeugten Mohammedaner werden wohl lieber ihre Kinder zu den Juden schicken, wo sie keine „Mission" zu fürchten haben. Und im Interesse der Juden liegt es, sich der Freundschaft der Araber zu versichern, die Kenntnis ihrer Sprache auch unter ihnen zu verbreiten. Diese dürfte dann umso rascher in den Reihen der Juden durchdringen! Gibt es ja heute in Palästina schon Araber, die Hebräisch, selbst Yiddisch, können. Wenn auch die Gefahr, dass die Juden das Arabisch als ihre Sprache annehmen, nicht drohend ist, so wird dadurch1 ihr etwas entgegnet. Wie jede Stadt auf Jahre hinaus durch" Erwerb von Bauplätzen, Bau von Häusern etc. weise für den Unterricht rechtzeitig vorsieht, so sollten auch die Juden Palästinas der Zukunft mehr Rechnung tragen. Wir können aber als die Autoritäten für die Schulen nicht immer die anerkennen, die als solche heute angeführt werden. Es müssen speziell Fachleute, wir wollen betonen auch aus Europa, ihr Urteil hiezu abgeben. Bis jetzt sind es noch nicht viele im Okzident ausgebildete Philologen, die an Ort und Stelle sitzen. Aber auch für diesen Posten finden sich von Jahr zu Jahr mehr geeignete Menschen. Bis jetzt scheidet das Neue meist an der Eigenbrödelei der Alliance. Wahrscheinlich ist das geringe Eingehen der A. J. U. auf gemeinsame Lösung der Schulfragen nur auf die merkwürdige Rolle des Jerusalemer Vertrauensmannes zurückzuführen. Es ist daher der Plan einer einheitlichen Schulkommission, eines Schulrates Jcein Punkt jeines grosszügigen Zukunftsprogrammes, sondern Sdie Hauptforderung des Tages. Dieseiri Schulrat bleibt dann vorbehalten, ein Volksschulprogramm mit den Mindest-Einheitspunkten auszuarbeiten, das für ganz Palästina Geltung hat, Fortbildungsschulen, landwirtschaftliche; Kurse in den Wintermonaten für die ländliche Bevölkerung, Abendkurse für die Arbeiter anzuregen resp. ins Leben zu rufen. 96