Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 5 (1908)
- Issue
- Heft 5-6
- Article
- Systematische Palästina-Arbeit
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 95 (sequence 2)
- Language
- German
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ausgegeben worden für eine freiwillige Immigration. Es macht sich daher eine Bewegung unter den jüdischen Akademikern und besonders unter den noch Studierenden, die sich eben noch nirgends festgesetzt hat, gelten nach Palästina überzusiedeln. Das ist auch für Palästina nur zu begrüssen, da wir vorerst der wissenschaftlichen Ausbildung! europäischer Aerzte -immer noch den Vorzug geben vor denen, die ihr Studium in Palästina begonnen und in Beyrut, dem amerikanischen Kolleg, beendigt haben, wobei wir selbstredend das Streben der einheimischen Juden nach Bildung völlig anerkennen und zu würdigen wissen. Wovor wir aber, wie gesagt, warnen wollen, ist die beginnende Gründungsära von Mittelschulen. Zuerst existierte nur die landwirtschaftliche Schule (im Range etwa einer Mittelschule), Mikweh Israel, die von der Alliance unterhalten /wird. Dazu kam vom Hilfsverein aus das Lehrerseminar in Jerusalem, angegliedert an die Lämei-Schule, das vor wenigen Jahren eröffnet wurde. Vor etwa einem Jahre bekam Jaffa ein hebräisches Gymnasium und nunmehr sollen eine weitere Mittelschule (etwa Handelsschule) vom Hilfsverein, eine ebensolche vom Misrachi und eine technische Mittelschule begründet werden. Selbstverständlich hat eine jede Organisation das Recht, dem Bildungsdrang der Bevölkerung entgegen zu kommen. Sie unterzieht sich damit einer mühevollen Aufgabe, die nur dankbar anerkannt werden kann. Dennoch muss Rücksicht auf die Verhältnisse des Landes genommen werden, damit dort kein geistiges Proletariat entsteht oder der im Lande erzogene junge Jude wie schon jetzt vielfach ins Ausland (Aegypten, Frankreich etc.) wandern muss; da der Bedarf an Akademikern oder gebildeten Leuten heute schon hinter dem Angebot zurückbleibt. Deshalb muss besonders den armen, wenig befähigten vom Studium dringend abgeraten, resp. dasselbe nicht ermöglicht werden. Schon jetzt haben wir gefunden, dass sich auch Elemente einmischen, die zu studieren wünschen, die keinerlei besondere Begabung besitzen. Wir möchten besonders hierbei raten, die Auswahl sehr sorgfältig zu treffen. Es sind unserer Meinung nach heute die abendländischen Begriffe, dass jeder irgendwie jbefähigte Mensch studieren müsse, viel zu sehr unter den jüdischen Palästinensern verbreitet. Wenn denn schon diese Organisationen Mittelschulen zu gründen wünschen, so liesse sich doch vielleicht erreichen, dass der Misrachi ein Zusammengehen mit dem Hilfsverein herbeiführt, der doch auch sonst weitgehendes Entgegenkommen den gesetzestreuen Juden bewies. Aber wir wollen schon deshalb nicht auf diesen Spezialpunkt eingehen, weil wir uns der Gefahr nicht aussetzen 95