Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 5 (1908)
- Issue
- Heft 5-6
- Article
- Systematische Palästina-Arbeit
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 97 (sequence 4)
- Language
- German
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Das Programm hat aber besonders Fachschulgründungen zu berücksichtigen. Wohl nirgends treten so viele alte Menschen ohne Fachkenntnis in ein Gewerbe ein als in Palästina, weil viele beim Lernen lange Jahre verbringen, ohne sich irgend eine technische, handwerkschaftliche Fertigkeit anzueignen. Ein genaues Programm wird viele Lücken zeigen, wo bald Hilfe dringend nottut, wenn nicht grosse Massen weiter in grosser Unwissenheit verkommen und in eklatanter Unkenntnis irgend welcher Arbeit verhungern sollen. So aber geschehen die'Schulgründungen systemlos wie ein gut Teil der Palästinaarbeit und man gedenkt erst dann gerechter, alter Forderungen, wenn der Schlendrian jahrelang sein Wesen treibt, als ob man erst dann den Brunnen zudecken müsste. Das Schulwerk des Hilfsvereins in Palästina. (Schluss.) Eines der wertvollsten Ergebnisse der Reise des Herrn Dr. Nathan ist ein prinzipielles Einverständnis mit den beteiligten Kreisen über eine zeitgemässe Ausgestaltung der Talmud- Tho ra-Schulen, so dass bei voller Wahrung der religiösen: Grundlage dem praktischen Leben in Zukunft Rechnung getragen werden kann. Der Lehrplan soll nach der Richtung hin erweitert werden, dass die Zöglinge nach Verlassen der Schule im wirtschaftlichen Leben ihr Brot selbst erwerben können, statt mehr oder weniger von der Chulukah abhängig zu bleiben. Die hebräische Sprache, tatsächlich zum Verkehrsmittel unter unsern Glaubensgenosesn des heiligen Landes geworden, soll als lebendige Sprache gelehrt werden. Bisher bildete die Talmud-Thora-Schule die Schüler nur soweit aus, dass sie es zum Leben und Verstehen des Talmud usw. brachten — aber nicht zumhebräischen Sprechen im täglichen Leben. Ferner soll je nach dem1 vorliegenden Erfordernis die Landessprache — Arabisch oder Türkisch — gelehrt werden, und zwar bei hebräischer Unterrichtssprache. Endlich sollen auch die (Realien den Schülern in hebräischer /Unterrichtssprache zugänglich gemacht werden. Der beste 'Beweis, dass die religiöse Grundlage dieser Schulen unangetastet bestehen bleibt, liegt darin, dass zu dieser Ausgestaltung die Chacham Baschi der Türkei und Palästina, die Repräsentanten der dortigen Juden, die Hand bieten, und dass die in Betracht kommenden sephardischen Kreise in einer ganzen Reihe von Städten den Plan sympathisch begrüssen. Die Sympathien unserer Glaubensgenossen und ihre bereitwillige Mitwirkung sind für das Kulturwerk des Hilfsvereins im* Orient unentbehrlich. > 97