Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 5 (1908)
- Issue
- Heft 5-6
- Article
- Über die Geflügelzucht in Palästina
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 87 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Geflügelzucht sehr zu interessieren, da es ein sehr einträgliches Geschäft ist, jedem Gutsbesitzer zugänglich^ und umso lohnender, als sich dabei landwirtschaftliche Produkte nützlich machen, wie körniges Futter u. a. m., und als bei rationeller Mästung des Geflügels die (Gewichtszunahme mehr einträgt als der Selbstwert des Futters. Nach all dem erwähnten darf man schliessen, dass die Geflügelzucht in Palästina nicht zu verwerfen ist, sondern dass man sehr grosse Aufmerksamkeit auf diesen Erwerbszweig richten imüss, (der jetzt bei kulturellem! Vorgehen nicht nur einem, sondern vielen Armen die Möglichkeit geben wird, ihren Besitz zu (bereichern, es auch möglich machen wird, Obdachlose zu unterstützen und Hungrige zu sättigen. Ein Palästinenser Kolonist, der absolut nicht vertraut ist mit der kulturellen Geflügelzucht, lässt beim' Erscheinen der Plage Palästinas — den Vogelseuche — die Hände sinken, fürchtet sich vor jGeldverlust und verwirft einen so einträglichen Erwerbszweig wie die Geflügelzucht. Wenn man natürlich annimmt, dass die Kolonisten gegen die Vogelseuchen ankämpfen sollen, ohne mit diesem Geschäft vertraut zu sein, so ist es eine riskante Sache, da es grosse, oft recht fühlbare Ausgaben für das spärliche Budget eines Kolonisten bedingt und ohne Spezialisten der Geflü gelzucht ist auf baldige Abhilfe kaum zu rechnen. Nur unter der Leitung; eines Inspektors kann imiain darauf rechnen, eine Besserung herbeizuführen, die Seuchen allmählich los zu werden und den Stand der Geflügelzucht soweit zu bringen, dass sie den Besitz des Kolonisten hebt, für ihn einen neuen Erwerbszweig bildet, der von ihm keine hartnäckige Arbeit verlangt, wobei bloss ein planmässiges Vorgehen der Hausfrau und deren Stützen vonnöten ist und der eine reiche Quelle darstellt. Und es unterliegt, glaube ich, keinem Zweifel, dass die Beschäftigung mit der Geflügelzucht, die für die Frau des Kolonisten und dessen Töchter keine zu schwere Arbeit ist und einen reichen Erwerb bietet, einen wichtigen Faktor zur Verbesserung der Budgetsverhältnisse des Kolonisten bilden wird. Man ziehe auch die hohen Fleischpreise am1 Platze in Betracht. Bei ausgedehnter Geflügelzucht würde der Preis sinken und die {Möglichkeit wäre gegeben, dass „jeder Kolonist sein Hühnchen in der Suppe hätte". Versuchsstationen oder besser Musterbrutplätze, deren Hauptaufgabe eine kulturelle Vogelzucht und Ankämpfen gegen die Massenerkrankungen wäre, würden sicherlich gute Dienste leisten; sie würden ein Exempel statuieren und einen Anstoss geben zu |intensiverer kultureller Beschäftigung mit der Geflügelzucht, zum Wetteifer anregen und mit rassigen Arten die Geflügelzucht auf ideale Höhe bringen. Und wer weiss: viel- 87