Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 5 (1908)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Ein jüdisches Lehrerseminar
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 67 (sequence 4)
- Language
- German
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Jellin gilt in Palästina als gründlichster Fachmann in der Wissenschaft unserer Sprache, er ist schriftstellerisch in selbständigen Werken wie als Mitarbeiter des HASCHILOACH tausendfach hervorgetreten und ist jetzt Redakteur der hebräischen Zeitschrift für Palästinakunde, des HAOMER. Er ist wohl der glänzendste Redner hebräischer Zunge, die in seinem Munde zu vollkommener, uneingeschränkter Lebendigkeit geworden ist, die er in allen ihren literarischen und dialektischen Spielarten und Nuancen handhabt und in einer wunderbaren lautlichen Reinheit spricht, wozu ihn die Bekanntschaft mit den arabischen und anderen semitischen Dialekten besonders befähigt. Wohin er kam, erregte sein hebräischer Vortrag das hellste Staunen, aller Sachkundigen. „Mit dem Stabe seines Mundes schlägt" er die Zweifler an der Wiederbelebungsfähigkeit unsrer Sprache nieder. In bessere Hände als in die Jellins konnte der Hauptunterrichtsgegenstand des Seminars, die hebräische Sprache, nicht gelegt werden. Jellin war ursprünglich Lehrer an der Allianceschule unter Nissim Behar. Aber eine so tief religiös und national fühlende Natur, wie die Jellins, konnte in den Diensten der Alliance nicht bleiben, ebensowenig wie s. Zt. der selige Dr. Herzberg auf die Dauer als Direktor der Jaffaer Ackerbauschule' innere Befriedigung finden konnte. Beide traten sie in den Dienst des Frankfurter Vereins zur Erziehung jüdischer Waisen in Palästina über, der damals die Lämelschule von der Wiener Gemeinde übernahm. Der Direktor der letztern erkannte mit richtigem Blicke die Bedeutung Jellins und bewirkte sein Engagement Durch die Unterrichtserfahrung an dieser Schule bildete Jellin mit Anlehnung an die Berlitz-Methode sein geradezu mit pädagogischem Raffinement durchgeführtes System aus, die hebräische Sprache ohne Zuhilfenahme eines fremdsprachlichen Wortes den Kindern zu lehren. Seitdem ist Jellins literarischer Ruhm mehr und mehr gewachsen, man wählte ihn zum Vorsitzenden des Bundes hebräischer Lehrer in Palästina, der Agudath Hamorijm, heute ist er keinem fremd, der die hebräische Literatur verfolgt. Dabei ist er eine wunderbar anziehende Persönlichkeit, eine echte Gelehrteiinatur, schüchtern und bescheiden, ein Mann von warmem Herzen und tiefer Frömmigkeit, ein Mann von historischem Sinn, der a'xn guten Alten in Treuen hält und am kräfigen Neuen sich stärken und freuen kann. Nur ungern scheide ich von der Betrachtung dieser sympathischen Lehrergestalt. Neben diesen Herren, die ganz eigentlich in Palästina ihren wissenschaftlichen Werdegang beendet haben, zählt das Kollejgium mehrerer Glieder, die ihr geistiges Kapital vom Auslande mitgebracht und in Palästina nur ausübend tätig waren. Da nenne ich vor allem J. M. Pinn es, den Talmudlehrer, 67