Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 5 (1908)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Frauenarbeit in Palästina
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 59 (sequence 3)
- Language
- German
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allzu viele kochen können, von Nähen und Flicken gar nicht zu reden. Oft hatte ich das Gefühl, hier sollte man einen Besen in die Hand nehmen, um den Frauen zu zeigen, wie man sauber macht, oder Nadel und Faden, um Löcher zu flicken in Tisch- und Bettzeug. In der Stadt ist es ja mieist nicht die Aufgabe der Frau, verdienend mitzuarbeiten, hier ist es ihre Pflicht, mit Ordnung und Sauberkeit zu sparen und zu erhalten. Und wieder tritt uns das verderbliche Vorurteil entgegen: körperliche Arbeit schändet. Die Vorsteherin der Eveline Rotschild- Schule in Jerusalem erzählte mir, dass in ihrer Schule in den Oberklassen die Mädchen auch Haushalt lernen müssen, putzen, scheuern, waschen — da kommen oft die Mütter und beklagen sich, ihr Kind dürfe das nicht, ihr Kind habe zu „edle" Hände. Aber es ist nicht zu edel, geschenkte Kleider zu tragen, geschenktes Brot zu essen, nur die Arbeit schändet! Dabei spreche ich nur von der Arbeit im eigenen Hause. Denn bis einmal jüdische Mädchen Dienst und Arbeit in fremden Häusern übernehmen, werden, wird noch viel Zeit vergehen. Dazu müssen sie erst freier und unabhängiger geworden sein, um zu verstehen, dass der Wert des Menschen nicht in seiner Stellung liegt, sondern in ihm selbst. Allerdings, man versteht und verzeiht so viel, wenn man die Enge und die Dürftigkeit dieses armen Frauenlebens sieht, das sich in den dumpfen Löchern abspielt, die sie dort Wohnung nennen. Halb Kind noch — manchmal zu 14—15 Jahren — wird so ein Mädchen verheiratet. Noch selbst nicht voll entwickelt, gibt es oft schon einem Kinde das Leben; nicht selten folgen Krankheit und Siechtumdieser ersten Geburt. Ist doch das Kindbettfieber erschreckend häufig und fordert unzählige Opfer! Ist es ein Wunder? Ein Arzt ist wohl fast nie bei einer Geburt zugegen, aber nicht einmal eine ausgebildete Hebamme, die können sich nur die Reichen gestatten, die Armen, die grosse Mehrzahl, sind ohne Hilfe; von Aseptik, von Antiseptik kann keine Rede sein. Und wo Krankheit und Sterben der jungen Mütter häufig ist, da steigt naturgemäss die Säuglingssterblichkeit gewaltig an; denn wer sollte für die zarten Neugeborenen sorgen? — Es gibt also schon eine Frauenfrage in unserem alten neuen Heimatland, wenn auch in ganz anderem Sinne, als man sie bei uns versteht. Und an ihrer Lösung müssen vor allem wir Frauen arbeiten. Wir müssen Schulen gründen, Haushaltungsschulen für Stadt und Land, und wir müssen Lehrerinnen hinübersenden, die nicht nur ihr Fach verstehen, die auch /Persönlichkeiten sind, an denen die heranwachsende Frauengeneration ein Vorbild haben kann, die sie die Arbeit lieben und achten lehren. — Wir müssen geschulte Hebammen haben, die den Frauen beistehen, Krankenpflege- 59