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Palästina · 1908-01-01 · Heft 4 · p. Seite 58

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
5 (1908)
Issue
Heft 4
Article
Frauenarbeit in Palästina
Date
1908-01-01
Page
Seite 58 (sequence 2)
Language
German
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die den Garten bebaut! Das waren für ihre Begriffe ungewöhnliche Dinge. Und plötzlich verlangt man diese von ihr! In Wirklichkeit hat sie auch versagt. In allen Kolonien hört man noch hier und da klagen über die jüdischen Männer, die nicht arbeiten wollen und ihr Feld von den Arabern bestellen lassen, aber überall und immer hörten wir klagen über die Frauen, die sich nicht an ihre neuen Pflichten gewöhnen wollen. Man zeigte uns in Rosch Pinah voller Stolz einen gut gepflegten Gemüsegarten, den die Frau mit den Töchtern allein bestellte! Man zeigte ihn, das sagt genug! — Sicher ist, dass einzelne Gebiete direkt von der Frau allein übernommen werden müssen, und dass es die Frau ist, die wesentlich zum Wohlstand des Hauses beitragen kann. Ich denke da an die Milchwirtschaft, an Geflügelzucht und Gemüsebau. Ist es nicht ein Jammer für uns, dass die Araber und die deutschen Kolonisten reich werden durch die jüdischen Städter und Kolonisten, die ihnen Milch und Butter, Eier und Gemüse für teures Geld abkauten müssen! Und für diese Dinge kann der Mann nicht sorgen. Wo Landwirtschaft besteht, ist es die Frau, die die körperlich leichtere Arbeit übernehmen muss, und auch die jüdische Bäuerin muss ihrem Mann die Gefährtin bei der Arbeit werden. — Ganz eigenartig liegen die jüdischen Verhältnisse in den Städten. Ich meine damit vor allem die Städte, in denen Massen unseres Volkes schon seit langem wohnen: Jerusalem, Saffed, Tiberias. Die rieuaufblühenden Städte Jaffa, Haifa können wir getrost aus diesen Betrachtungen ausschliessen. Die Familien, die hier zuziehen, bleiben im Handel oder Gewerbe; ihr Leben ist nicht so von Grund aus verändert, und die Frau die heute mit ihrem Manne hinüberzieht, ist entweder der harten Not gefolgt und ist froh und dankbar für das gastliche Land, oder sie teilt seine Liebe zum Lande der Väter, für das sie ihre Kinder heranziehen will. Aber auch in den drei heiligen Städten, das ist mir wohl bewusst, ist die jüdische Bevölkerung so bunt zusammengewürfelt, dass es sehr schwer ist, über sie in einem Atem zu sprechen. Aber eines scheint mir bei allen recht ähnlich: die Stellung der Frau. Ob unsere Religion die Schuld trägt — sie bevorzugt ja durchaus den Mann —, ob der Einfluss der orientalischen Umgebung gewirkt, ich will es nicht entscheiden; sicher ist, dass die Stellung der Frau eine ziemlich niedrige ist. Die Frau ist durchaus nicht die Gefährtin des Mannes, nicht die Herrin des Hauses. Den Mann adelt sein „Lernen" und hebt ihn weit über die Frau, die gänzlich ohne Erziehung und Bildung bleibt. Es gibt ein derbes Volkswort: „Frauensterben bringt kein Verderben", dort in Palästina habe ich das Wort verstehen lernen. Allerdings die Frau hat wirklich keinen grossen Wert, sie leistet nicht viel. Ich glaube nicht, dass 58

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