Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 5 (1908)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Das Schulwerk des Hilfsvereins in Palästina
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 46 (sequence 4)
- Language
- German
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Einheitssprache geschaffen, und die Kindergärten und alsdann die Schulen sind wiederum der lebendige Quell der Verbreitung der Sprache im Elternhause. Welche unersetzlichen und durchaus notwendigen Dienste die Kindergärten inbezug auf die Vorerziehung der Kinder für die Schule durch die Beibringung einer Sprache, der hebräischen, leisten, kann man ermessen, wenn man die diesem Berichte eingefügte Liste über die Vielsprachigkeit der Zöglinge in unseren Kindergärten in Jerusalem zu Rate zieht. f An die Kindergärten schliesst sich auf dem Lande und in den kleinen Städten die Volksschule an, in der neben dem Hebräischen und neben der Religion die Realien in vollem Umfange gelehrt werden. Würde man auch auf dem Lande eine europäische Sprache, etwa das Deutsche, zum Unterrichtsgegenstand machen, so würde, vorausgesetzt, dass die Schüler im Orte bleiben, ihnen dieser Lehrgegenstand keinen erheblichen unmittelbaren praktischen Vorteil bringen; in, den entlegenen Ortschaften gibt es keinen Handelsverkehr mit Deutschland oder Europa, und daher lässt die Kenntnis der deutschen oder einer europäischen Sprache sich nicht für das Leben verwerten. Ohne die Möglichkeit der Uebüng und ohne jede Anregung zum Sprechen oder Lesen verfallen die Kenntnisse auf diesem Gebiet in allerkürzester Zeit. Dieser Unterricht bildet aber, wie die praktischen Erfahrungen mit dem Französischen lehren, einen Anreiz, die Heimat zu verlassen, und so werden jene gewaltigen Massen von Auswanderern vermehrt, die aus dem Osten gen Westen fluten, und für die eine Heimstätte zu finden von Jahr zu Jahr schwerer wird. Die Erziehung im Orient muss daher, wie wir schon wiederholt hervorgehoben haben, die Aufgabe haben, die dort ansässige jüdische Bevölkerung mit Liebe zur Heimat zu erfüllen und sie muss andererseits die Jugend mit jenen Kenntnissen ausstatten, die ihnen das Fortkommen im Orient selbst ermöglichen und erleichtern. Dazu dient die Erlernung der Landessprache entweder des Arabischen und Türkischen, oder wenigstens einer der beiden Sprachen. Auf diese Weise wird man eine sesshafte, für die Aufgaben des Lebens gut ausgerüstete jüdische Bevölkerung im Orient heranbilden. In grösseren Städten müssen auf gleichen Grundlagen aufgebaut gehobene Volksschulen eingerichtet werden, und an jenen Orten, die bereits einen stärkeren internationalen Verkehr haben, muss der Unterricht eine Erweiterung durch Einführung einer europäischen Sprache erfahren. Es wird dabei zweckmässig sein, jene Orte, die wirtschaftlich vor allem nach Deutschland gravitieren, mit Schulen auszustatten, in denen das Deutsche gründlich gelehrt wird. Es gibt andere Städte, bei denen Englisch, Italienisch oder Französisch in Frage 46