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Palästina · 1908-01-01 · Heft 3 · p. Seite 45

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Journal
Palästina
Volume
5 (1908)
Issue
Heft 3
Article
Das Schulwerk des Hilfsvereins in Palästina
Date
1908-01-01
Page
Seite 45 (sequence 3)
Language
German
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den Bedürfnissen und Wünschen der Bevölkerung, für die sie geschaffen werden. Die unerschütterliche Grundlage für das Leben der Juden in Palästina wie im gesamten Orient ist aber die Treue zur Tradition, das Festhalten am Glauben der Väter, den sie auf Kind und Kindeskinder vererben wollen. Die Schule, die der Jugend nicht Geist von diesem Geist bringt, fasst nicht Wurzel im Orient. Und dieser Geist hat in neuester Zeit in der heb räischen Sprache ein Ausdrucksmittel geschaffen, das erstaunlich schnell sich im Leben eingebürgert hat. Hebräisch ist in Palästina eine lebendige Sprache geworden, die ihre Kraft als solche aus zwei starken Quellen zieht; dem praktischen Bedürfnis nach einem Verständigungsmittel zwischen den vielsprachigen jüdischen Gemeinden und dem religiösen und nationalen Idealismus. Das Problem, die neuerstandene Sprache auch zu einem literarisch und wissenschaftlich verwendbaren Instrument zu machen, lösen mit der Zeit dieselben Kräfte, die zur Neubielebung der Sprache geführt haben. Entsprechend der Verschiedenheit von Stadt und Land, der Verschiedenheit der Landesteile und ihrer wirtschaftlichen Beziehungen ist die tatsächliche Verbindung der Landesbewrohner mit der europäischen Kultur, der europäischen Geschäftswelt eine engere oder losere, oder sie fehlt ganz — und entsprechend den verschiedenen Verhältnissen ist die Kenntnis einer Kultursprache — deutsch — englisch — französisch — notwendig oder entbehrlich oder sogar überflüssig, unter Umständen selbst nachteilig, so paradox dies klingen mag. Die Erlernung des Türkischen ist für bestimmte Provinzen und alsdann überall für den Verkehr mit den Behörden von Wert. Die junge Generation soll heimisch werden in ihrem Geburtsiande; sie soll anderseits auch befähigt sein, bei der Erschliessung Asiens, die als eines der grossen weltwirtschaftlicheri Entwickelungsmomente der Zukunft sich bereits vorbereitet, zu ihrem Teile mitzuwirken. Demgemäss würde der Aufbau unseres Schulwerks der folgende sein: Auch auf dem Lande und in den kleinen Städten soweit irgend durchführbar und natürlich in den grösseren Städten als Fundament für die Erziehung der Kindergärten. In den Kindergärten wird ausschliesslich hebräisch gesprochen, und es werden in ihnen auch die allerersten Anfangsgründe der Realien gelehrt werden. Indem die junge Generation mit dem hebräischen als lebender Sprache vertraut gemacht wird, wird die Grundlage für die religiöse Erziehung der Kinder und für eine die vielsprachigen Juden des Orients verbindende 45

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