Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 5 (1908)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die hebräische Sprache in Palästina
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 23 (sequence 4)
- Language
- German
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auch von den europäischen Sprachen wurde das neuere Hebräische auf verschiedene Weise beeinflusst. Zunächst kommen die allgemeinen Fremdwörter in Betracht, die zum Gemeingut aller europäischen Sprachen geworden sind. Eine grosse Anzahl derselben wurden auch ins Hebräische aufgenommen und oft auch zu neueren Formen verwandt. Die hebräischen Dichter der Gegenwart huldigen in ihren Dichtungen dem in den modernen Sprachen angenommenen akzentuierenden Rhythmus, worin der Versfuss aus betonten '(langen) und .unbetonten (kurzen) Silben sich bildet. Von dem zweisilbigen Versfuss sind am üblichsten der Jambus und der Trochäus, von den dreisilbigen — der Anapäst, der Daktylus und der Amphibrachus. Aber auch hierin zeigt sich der Einfluss des Volksdialektes. In diesem Dialekte eben hat den Hauptton auch in den vorkommenden hebräischen Wörtern (wie in den Deutschen und Polnischen) nicht die letzte Silbe im Wort, sondern meist die vorletzte. Nach dieser Akzentuation richten sich auch die meisten Dichter bei der Bestimmung des Rhytmus. Dies ist aber nur bei den „Aschkenasim" der Fall, während bei den „Sefardim" (im spanischen „Spaniolisch" wie in dem persischen Jargon) in den hebr. Wörtern meist die Ultima betont wird. Diese und noch viele andere Prosaiker und Dichter machten die hebräische Sprache den andern modernen Sprachen gleich und befähigten sie, jedem modernen Gedanken und Begriffe Ausdruck zu geben. Das sich steigernde nationale Bewusstsein und die hohe Entwicklung der hebräischen Sprache und Literatur schaffen ihr immer weitere Kreise von Lesern und Verehrern, und diese versuchten es, auch in Europa dem Hebräischen als Umgangssprache wieder Eingang zu verschaffen. Immerhin fehlt der hebräischen Sprache in Europa die Natürlichkeit und Lebendigkeit, die sie in ihrer eigentlichen Heimat Palästina besitzt. In Palästina kann dem Bedürfnis nach neuen Sprachbildungen, wie es der lebendige Verkehr mit sich bringt, im Hebräischen als Umgangssprache ganz anders entsprochen werden als in Europa, wo es doch Schriftsprache geblieben ist. Während der Schreibende veranlasst wird nachzudenken, um für jeden Gedankein den passenden Ausdruck zu finden oder »jedes in der Sprache fehlende Wort durch eine entsprechende Umschreibung zu ersetzen — ist das alles beim mündlichen Verkehr gänzlich ausgeschlossen. Hier muss sich auch der ungebildete Volksmann und das lallende Kind im Momente des Redens selber rasch helfen; und auch ihre spontanen und natürlichen Sprachbildungen schleichen sieh in die Sprache hinein wie die künstlichen der Gelehrten und Grammatiker. Auch der äusserliche Einfluss macht im Orient die Entwicklung der hebräischen Sprache viel natürlicher als in 23