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Palästina · 1908-01-01 · Heft 2 · p. Seite 19

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
5 (1908)
Issue
Heft 2
Article
Jüdische Kunst in Palästina
Date
1908-01-01
Page
Seite 19 (sequence 3)
Language
German
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Vor allem wirkt in neuerer Zeit der Staat durch die Bauten der Eisenbahnverwaltung usw. belehrend und erziehend. Wir sollten denselben Weg gehen. Es ist nicht abzusehen, weshalb wir den in seiner Eigenart und Einheitlichkeit so schönen Orient durch die Stillosigkeit und Unzweckmässigkeit europäischer Bauformen verschandein müssen. Es kann nicht schwer siein, durch einem tüchtigen Künstler ein paar Musterhäuser entwerfen zu lassen, die ästhetisch, sanitär und volkswirtschaftlich allen Bedürfnissen genügen, den jüdisch-nationalen Charakter der Biaukunst verkörpern;Und das Land zieren. Das hebräische „Gymnasium" in Jaffa (das Wort „Gymnasium" klingt etwas sehr voll für das Unternehmen) sollte nach Anlage und Fassajde ein M'usterbau werden, ebenso die geplante misrachistische Mittelschule. Unsere Bauern würden davon lernen. \ Vor die Häiuser gehören Vorgärten mit blühenden Gewächsen, Lauben, in denen der Arbeiter den Abendfrieden geniesst. Die Landstrassen müssen mit Bäumen bepflanzt, öffentliche Gärten angelegt werden. Auch ein wenig künstlerischer Schmuck ist mit kleinen Mitteln zu schaffen. Dann werden nicht nur die Fremden unsere Kolonien mit ganz anderen Augen ansehen und ihnen grösseres Interesse zuwenden, sondern die Kolonisten selbst werden Freude an ihrem Besitztum und eine erhöhte Anhänglichkeit an die Scholle gewinnen. Palästina soll unseren Biauera nicht nur ein Land grosser Vergangenheit, politischer Zukunft, sondern auch (behaglicher und lebensfroher Gegenwart werden. Wenn dann die Söhne und Töchter von Kolonisten das Land verlassen, werden sie unter den Wolkenkratzern New-Yorks 'Sich sehnein, wie man sich nach der Heimat sehnt. Wird so das1 Denken der Kolonisten mehr von der Seite rechnendem Verstandes nach' der Gefühlsseite umgewertet, so werden jsich ganz vojn selbst auch andere Vorteile ergeben. Wer die Nätur versteht und lieben gelernt hat, der wird auch (die Tiere lieben und ihre Zucht versuchen. Und es ist sehr notwendig, dass in dieser Beziehung gesunde Verhältnisse geschaffen werden. Die Zucht von Grossvieh, Geflügel, Bienen usw. liegt heute noch gänzlich im argen. Das nützlichste Tier des Orients, das Kamel, existiert in unseren Dörfern überhaupt nicht, es fehlt eben jedes Verständnis für seine Wartung und Pflege. Das alles ist die natürliche Folge der Verhältnisse, aber doch bedauerlich. Darum muss Verständnis dafür geschaffen werden, dass unsere kulturellen Aufgaben im Lande nicht nur nach der verstandesgemäss-praktischen!, sondern auch nach der gefühlsmässig-ästhetischen Seite liegen. Freilich kann die zionistische Parteileitung auf diesem Gebiet nicht allzuviel tun, aber dem Bezalel würde sich ein weites Schaffensfeld eröffnen. Nicht 19

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