Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 5 (1908)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Jüdische Kunst in Palästina
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 18 (sequence 2)
- Language
- German
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wenn er nicht den Golus mit sich nach Hause schleppen soll. Er muss das Land und seine Schönheit lieben lernen, wenn er auch in schlechten Zeiten ausharren soll, und dazu bedarf es einer Erweckung seines ästhetischen Empfindens. Man gehe nur einmal durch eine der deutschen Templerkolonien, etwa Sarona,; und dann durch die benachbarten jüdische,i Dörfer. Bei den Deutschen rings blühende Gärtchen. Blumen, wo man sie nur anbringen kann, eine gewisse Individualitat, sogar ausgeprägt in der Anlage des Ganzen. Dagegen bei uns schnurgerade Gassen, leere Vorgärten, wenig Haustiere, kurz, der Betrieb des rechnenden, die Dinge nach dem Erfolg abwägenden Geschäftsmannes. Die Häuser sind schablonenhaft aufgebaut, und die häss- Iichen roten Ziegeldächer passen auch nicht im geringsten in die Nachbarschaft der meisten arabischen Bauten mit den gewölbten Kuppeln, die sicherlich noch heute die Bauart des alten Palästina verkörpern, denn die Art der Architektur eines Landes ist ja nichts Zufälliges, absichtlich Erfundenes. Sie wird bedingt durch das vorhandene Baumaterial, durch Eigenart und Neigungen der Bewohner, klimatische Verhältnisse, und nicht zum wenigsten durch die Gestaltung und die Schönheitsformen des Landes und seiner Tiere. Die einsame Ungeheuerlichkeit der Pyramiden passt wohl in die ungeheure Einsamkeit der Wüste, nicht aber in den Formenreichtum der Schwreiz; die luftigen, zierlichen Häuschen der Japaner gehören ins Blumenland der Chrysanthemen, aber nicht in den Ernst des norddeutschen Sandbodens. So ist auch der Kuppelbau und das blendende Weiss der orientalischen Häuschen mit den kleinen Fenstern die natürliche Folge des Mangels an einheimischen Ziegeln und Stützbalken für Dachstühle;, des 'Bestrebens, die Häuser kühl zu halten*, unjd (der brennenden Sonne den Eingang zu wehren. In dieser Hinsicht verfehlen heute die meisten Kolonistenhäuser völlig ihren Zweck. Sie sind nach europäischem Muster ohne die erforderliche Berücksichtigung der Oertlichkeit gebaut, in der Herstellung nicht billig, geschmacklos und nicht hygienisch. Es zeigt sich wieder, dass der einheimische, ungewollt gewordene Stil gewöhnlich auch der zweckmässigste und verwendbarste für eine Gegend ist. Darum und nicht nur aus Schönheitsrücksichten suchen z. B. die deutschen Behörden auf die Erhaltung der örtlichen Bauart hinzuwirken, und die moderne Kunst hat da ihre besten Triumphe gefeiert, wo sie auf eine Ausgestaltung und Veredelung der Formen des Bauernhauses der deutschen Bergländer bedacht gewesen ist. Das hässliche Rohbacksteinhaus, das eine Zeitlang die deutschen Dörfer bedrohte, macht heute schönen Bauten in alten Formen Platz. 18