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Palästina · 1908-01-01 · Heft 1 · p. Seite 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
5 (1908)
Issue
Heft 1
Article
Das Interesse an Palästina
Date
1908-01-01
Page
Seite 4 (sequence 3)
Language
German
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der Sultan die Juden nicht entbehren können, weil er ohne sie keine Käufer für Krön- und Regierungsgüter finden kann. Man kann sicher sein, daß binnen 10 Jahren 2 Millionen Juden in Palästina sein werden." So spricht sich dies ministerielle französische Organ über die Zukunft des Landes aus, muß aber wohl oder übel den jüdischen Einwanderern folgendes Lob zollen: „Das sind keine Bettler, sondern ackerbautreibende Arbeiter, Handwerker und Kaufleute. Ein Menschenmaterial, aus dem ein Volk und ein Staat aufgebaut werden können. Zwar stoßen die Einwanderer dort auf viele Hindernisse, aber sie überwinden all diese Schwierigkeiten durch die Kraft einer großen, mächtigen Liebe zu ihrer alten Heimat und schaffen die Grundlagen für einen neuen Staat. „So webt die Zeit auf ihrem Webstuhl ein Leichengewand für den einen und warme Kleider für den andern. Man braucht kein Prophet zu sein, um vorauszusehen, daß die Juden binnen des nächsten Vierteljahrhunderts auf der Weltbühne als Kämpfer für ihr Vaterland auftreten werden. „Viele behaupten, die Christen werden einer solchen Entwicklung energisch entgegentreten und werden es nicht dulden wollen, daß die Juden dort über christliche Heiligtümer walten. Das ist ein Irrtum. Die Christen wollen nur diese Heiligtümer von einer unparteiischen Macht bewacht wissen. Die Türkei ist unparteiisch und die Juden werden ihre Stelle einnehmen." Diese Korrespondenz, die in Frankreich Aufsehen erregt hat, bezweckte natürlich, die Türkei vor den Juden zu warnen. Wir glauben aber, daß die Türkei keine Angst vor den Juden hat und mit Vergnügen sieht, wenn tüchtige Leute in Palästina einwandern und dem Lande Segen und Gedeihen bringen. Noch ist Palästina kein Land, das Tausenden und Tausenden von Einwanderern eine Existenz bieten kann. Dazu fehlen die Vorarbeiten, welche erst geleistet werden müssen. Über die Zukunft des Landes hat sich Dr. Paul Nathan, der geniale Leiter des „Hilfsvereins der deutschen Juden", der von einer längeren Reise nach dem Orient zurückgekehrt ist, einem Vertreter der „Welt" gegenüber folgendermaßen ausgesprochen: „Die asiatischen Länder der Türkei sind jetzt — ich betone jetzt — noch nicht aufnahmefähig für einen Masseneinzug; aber sie aufnahmefähig zu machen, das ist es gerade, was angestrebt werden muß und man ist in dieser Beziehung schon auf dem besten Wege. Die Eisenbahnen entwickeln das Land, und unsere Aufgabe muß es sein, unsere Glaubensgenossen, die bereits im Orient wohnen, zu befähigen an der Entwicklung teilzunehmen. Ist alsdann mit der Einführung moderner Technik der Reichtum der türkischen asiatischen Länder, den sie zweifellos bergen, zu steigender Entfaltung gelangt, dann wird natürlich auch das Problem der Immigration ein ganz anderes werden, als es jetzt 4

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