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Palästina · 1908-01-01 · Heft 1 · p. Seite 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
5 (1908)
Issue
Heft 1
Article
Das Interesse an Palästina
Date
1908-01-01
Page
Seite 5 (sequence 4)
Language
German
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ist. Und wenn die Türkei heute noch auf dem Standpunkt steht, daß die Einwanderung aus politischen Gründen bekämpft werden muß, so ist zu hoffen, daß sie alsdann diese Einwendungen zurückstellen wird, in der Erkenntnis, daß geignete Einwanderer zur wirtschaftlichen Erschließung der Länder außerordentlich beitragen, — und jede wirtschaftliche Stärkung der Türkei bedeutet zugleich eine wesentliche politische Stärkung des Staates. Man muß also unterscheiden zwischen der Gegenwart und der nächsten Zukunft einerseits und späteren Zeiten anderseits. Heute braucht die Türkei Intelligenz und Kapitalien in erster Reihe. Wie die Kapitalien beschafft werden können, das will ich in diesem Augenblick nicht untersuchen, aber die Intelligenz im Lande selbst zu stärken, dazu können wir beitragen, indem wir für unsere orientalischen Glaubensgenossen gute und geeignete Schulen von der Dorfschule herauf bis zum modernen Technikum errichten. Sind diese Vorbedingungen einmal vorhanden, dann wird der Orient auch imstande sein, weit größere Menschenmassen zu ernähren, als er das heute vermag. Und mit Hilfe der modernen Technik kann dann dort eine Bevölkerung leben, die unvergleichlich größer sein wird als sie selbst in den blühenden Zeiten des Altertums g ewesen ist." Dieses Urteil eines Mannes, der kein Zionist ist, aber die Politik und die ökonomischen Verhältnisse eines Landes versteht, muß in weitesten jüdischen Kreisen Beachtung finden und wir sind überzeugt, man wird baldigst über die Ziele, die sich der Zionismus in Palästina gesteckt, nur Günstiges sprechen. Nur muß sich dieser nicht separieren wollen! Vereint mit den anderen gleichstrebenden Unternehmungen soll er vorwärts arbeiten, damit die Erfolge seiner Tätigkeit nicht ausbleiben! Herr Dr. Paul Nathan empfiehlt dem Hilfsverein in allen Schulen, die der Verein in Palästina unterhält, das Hebräische eingehend unterrichten zu lassen, daß die alte Sprache der Bibel in unseren Tagen wieder neu aufblühen und zur Sprache des täglichen Verkehrs würde. Auch hat der Hilfsverein eine Musterfarm errichtet, wodurch für die Hebung der Landwirtschaft und Bodenkultur in Palästina und für die Ausbildung von jüdischen Kolonisten ein Schritt vorwärts gethan worden ist. Die Lehrer in Palästina sollen dort auch während ihrer Ferienzeit noch praktische Unterweisung erhalten. Das Interesse für Palästina wächst allenthalben; mögen die Zeichen der Zeit auch in jüdischen Kreisen nicht spurlos vorübergehen, auf daß die späteren Geschlechter nicht Ursache haben auf die Verstärdnislosigkeit unserer Zeit für große und wichtige Entwicklungen mit Geringschätzung zurückzublicken! o 5

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