Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 5 (1908)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Das Interesse an Palästina
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 2)
- Language
- German
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einfallen kann, die einmal dort wohnenden Brüder nach Laune des Augenblicks zu vertreiben. Diese Idee hat innerhalb der zionistischen Bewegung schon manche Anfechtung erfahren. Wer da glauben mochte, daß die Erringung des Landes in kurzer Zeit auf politischem Wege vor sich gehen würde, wurde bald getäuscht, denn selbst dem bedeutendsten Mann, den der Zionismus hatte, Dr. Herzl ist es trotz seinen vorzüglichen Verbindungen nicht gelungen, in Palästina zu gunsten seiner Idee viel zu erringen. Der Sultan, der viel Geld brauchen kann, konnte sich nicht dazu verstehen, dem Zionismus Konzessionen zu machen, obwohl er als ein Freund der Juden anzusehen ist. Herzl starb und der Zionismus suchte trotz des klaren Programms ein anderes Land, um für die vielen jüdischen Emigranten eine Heimstätte zu finden. Er hat es nicht finden können, trotz der bekannten Spaltung in der Bewegung. Der letzte Kongreß hat darin Wandlungen vollzogen. Er ist vom sog. politischen Zionismus, den er nicht verdrängt wissen will, zum praktischen Zionismus übergegangen. Es wird gegenwärtig in Palästina auch von seiten der Juden gearbeitet. Bisher hat man die Anderen arbeiten lassen und man hoffte im Stillen. Die Zeiten haben sich geändert und daß bittre Wort „mußa hat hier Gedankengänge erzeugt, die im Alter wurzeln, aber fürs Neue bauen. Und so sehen wir in den alten jüdischen Kolonien Palästinas, die von den sog. Choveve Zion, oder auch von den reichen Rothschilds und den Hilfsgesellschaften gegründet wurden, neues Leben einziehen; ein neuer praktischer Geist stärkt die resignierten Arbeiter und Administratoren und bald wird Palästina ein Land sein, das nicht nur Wein und Orangen erzeugt, sondern auch tüchtige Industrien aufzuweisen hat. Die Verhältnisse sind überall besser geworden und mit dieser gemeldeten und konstatierten Besserung wächst das Interesse am Lande. Palästina wird in Zukunft nicht nur die Archäologen interessieren, die dort den Boden umgraben, um längst verschüttete Trümmer und Überreste von interessanten Gebäulichkeiten und Gefäßen zu finden, auch die tatkräftige Arbeiterschaft, der fleißige Bauer, der tüchtige Kaufmann werden dort ihr Brot finden und neues Leben wächst aus den Ruinen. In jüngster Zeit sind viele, namentlich russische und rumänische Juden nach Palästina gewandert. Die jüdische Einwohnerzahl des Landes hat sich in ungeahnter Zahl vermehrt, alle Einwanderer sind der besten Hoffnung, daß es ihnen besser gehe als in den Ländern, die sie verlassen mußten. Diese Einwanderung findet in der Oeffentlichkeit Beachtung, namentlich von seiten derjenigen Politiker, die da glaubten, Palästina müsse einstens unter französischem Protektorat stehen. So brachte der Pariser „Temps" in jüngster Zeit eine Nachricht, „wonach die Zahl der Juden in Palästina immer mehr zunehme. Am Ende würde auch 3