Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 5 (1908)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Das Interesse an Palästina
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 2 (sequence 1)
- Language
- German
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Dr. phil. David Strauß, Zürich: Das Interesse an Palästina. Es giebt Länder, die man kaum in der Tagesliteratur erwähnt findet. Sie führen ein ruhiges Dasein, ohne Fortschritte und ohne Entwicklung, sie existieren im Stillen und machen nicht von sich reden. Zu den Gebieten, die dagegen im politischen Leben ein« außerordentliche Rolle spielen, gehören die Länder des türkischen Sultans. Ihr Name wird kaum genannt, ohne daß man dabei an einen Zustand des Schlafes, des allgemeinen Rückganges denkt. Die Türkei liegt auf dem Aussterbeetat in der öffentlichen Meinung schon seit Jahrzehnten, doch existiert sie heute noch, sie scheint sogar noch manches andere staatliche Gebilde zu überdauern. Der Wunsch, die Türkei zu zerstören und den Beherrscher des Islam nach der Geburtsstätte der muhammedanischen Idee zurückzudrängen, ist im europäischen Konzerte schon manchmal laut geworden, aber der Zeitpunkt ist noch nicht gekommen, in dem die Aufteilung des Landes zwischen den lachenden Erben stattfinden kann. Besonderer Beliebtheit erfreut sich Pal ästina bei allen europäischen Mächten. Diese türkische Provinz wird von allen Europäern in religiöser und handelspolitischer Beziehung zum Spielplatz der Interessenkämpfe gemacht und jede Nation möchte in diesem Lande die Beherscherin sein. Die Christen möchten die ihnen heiligen Städten nicht von den Türken bewacht und beschützt wissen und suchen ihm dies zu beweisen, indem sie selbst dort walten und schalten nach Gutdünken. Auch der Islam bleibt nicht zurück, wenn es gilt kund zu tun, daß er Besitzer des Landes ist und daß er tatsächlicher Beherrscher bleiben will. Zu allen Zeiten blieb Palästina mit seiner ausserordentlich interessanten Vergangenheit das Ziel aller religiös Gesinnten innerhalb der monotheistischen Religionen. So wie im Mittelalter die Kreuzfahrer mit Kriegsgeschrei nach dem Osten zum Ziele Jerusalem wanderten, so ziehen heute die frommen Christen in Pilgerzügen nach dem heiligen Lande. Und die Juden, die einst dies Land besaßen, haben die Hoffnung auf die Zukunft ihres Landes nicht aufgegeben. Früher betete man um Jerusalem und Zion und hoffte auf den Erlöser, der das Land befreie und wieder blühend mache. Heute wird in jüdischen Kreisen nicht mehr allein um Palästina gebetet, heute wird für das Land der Väter auch gearbeitet. Und diese Aenderung in der Gesinnung hat der Zionismus vollbracht. Er hat sich laut Basler Programm als Ziel gesetzt, „die Erstrebung einer öffentlich-rechtlichen Heimstätte in Palästina/, Damit war von vorneherein ohne Umschweife gesagt, was die Bewegung im Auge behalten sollte, nämlich die Gewinnung des Landes für die Juden als Heimstätte, als gesichertes Land, wo es nicht irgend einem Despoten 2