Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 20 (1937)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1937)
- Article
- Die Bodenfrage im Hinblick auf die geplante Staatsgründung
- Date
- 1937-12-01
- Page
- Seite 612 (sequence 4)
- Language
- German
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Im Falle des Transfers der .arabischen Bevölkerung würden äußerst bedeutende Mittel erforderlich sein, denn wir werden den arabischen Bauern nicht nur ihr Land bezahlen müssen» sondern auch alles, was sich darauf befindet, auch wenn es für den jüdischen Bauern keinen oder nur geringen Wert besitzt. Schließlich werden wir auch für seine Übersiedlung in das andere Gebiet sorgen müssen, und ebenso wie die Juden bis jetzt die Entfernung der Araber von dem von ihnen erworbenen Boden ungeheuer viel Geld gekostet hat, wird auch der Transfer unter Umständen erfolgen müssen, die an unsere Finanzen viel größere Anforderungen stellen wird als diejenigen, welche bei der Übersiedlung der ana£olisch-griechischen Bauern nach Griechenland oder der griechisch-türkischen in die Türkei aufgewandt wurden. Eine Vorstellung von den hierfür erforderlichen Mitteln kann man sich aus der vollständig rohen Rechnung machen bei der — ich möchte ausdrücklich betonen — völlig hypothetischen Annahme, daß die Überführung aller Araber in den arabischen Staat vor sich gehen und der gesamte arabische Bodenbesitz von etwa 3 Millionen Dunam erworben werden könnte. Wenn wir den Durchschnittspreis mit etwa 8 bis 9 £P per Dunam annehmen, wären .etwa 25 bis 30 Millionen Pfund erforderlich. (Den Durchschnittspreis errechnen wir aus der Gesamtsumme, die der Keren Kajemeth für seinen Bodenbesitz gezahlt hat.) Die erforderliche Summe wird sich freilich wesentlich verringern, wenn man in Betracht zieht, daß nur ein Teil der arabischen Bevölkerung übersiedeln, und daß dieser Transfer geraume Zeit in Anspruch nehmen wird. Jedenfalls handelt es sich um gewaltige Summen, die aufgebracht, und zwar rasch aufgebracht werden müssen. Die Bodenreform, die wir vornehmen werden, kann nur dann wirksam sein, wenn sie rasch vor sich geht, noch ehe die wirtschaftliche Entwicklung im Jüdischen Staat die Lage des arabischen Landwirtes dermaßen verbessert, daß er gar nicht mehr gewillt sein wird, seine Stelle zu verlassen. Es werden im Laufe von wenigen Jahren gewaltige Summen erforderlich sein. Wer soll sie zur Verfügung stellen? Es herrscht die einfache Vorstellung, daß der neue Staat Anleihen aufnehmen und mit Hilfe derselben das ganze Werk — sowohl das Land, wie auch die Besiedlung — finanzieren werde. Es ist ein Irrtum zu glauben, daß ein so kleiner Staat, wie Erez Israel es sein wird, mit seinen anfänglich 350.000 Juden und der geringen Steuerkraft der arabischen Bevölkerung in seinem Gebiet, Anleihen von vielen Millionen Pfund wird aufnehmen können. Die Winzigkeit des Staates und die Armut eines großen Teiles seiner Bevölkerung, seine noch wenig entwickelte Wirtschaft, setzen seiner finanziellen Leistungsfähigkeit ziemlich enge Grenzen. Dies um so mehr, als es eine Reihe von Ausgaben gibt, welche der Jischuw aus eigener Kraft wird bestreiten müssen, wie z. B. eine Verwaltung zu erhalten, die in einem aufbauenden Staate viel größer sein muß, als die unmittelbaren Bedürfnisse der Bevölkerung es erfordern, Verteidigung und vieles andere. Der Judenstaat wrird wohl Anleihen aufnehmen können, die jedoch zur Größe des Aufbaues in gar keinem Verhältnis stehen werden. Man kann schließlich auch nicht verlangen, daß 400.000 oder in ein paar Jahren 500.000 Juden — und es ist klar, daß ein Judenstaat seine Bevölkerung nicht mit einem Zauberstab verdoppeln, sondern eine Einwanderung nur im Rahmen der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit des# Landes zulassen kann — nicht das Riesenwerk des Erwerbs von Millionen von Dunam Land, wrie auch die Kolonisierung von Juden in Stadt und Dorf übernehmen kann. Man kann nicht das Budget des neuen Staates von Anfang an durch Amortisationsraten und den Zinsendienst der aufgenommenen Anleihen so schwer belasten. Der Aufbau des Judenstaates wird nach wie vor die Aufgabe des gesamten Judentums bleiben, und in erster Reihe wird auch der Landerwerb durch andere Mittel finan-