Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 20 (1937)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1937)
- Article
- Über die Grundlagen der Wirtschaft des geplanten jüdischen Staates
- Date
- 1937-12-01
- Page
- Seite 607 (sequence 9)
- Language
- German
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- Haifa 1× ep/1047930
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lieh über Überschüsse von Erzeugnissen ihrer extensiven Landwirtschaft, wie Getreide, Vieh, Eier von geringer Qualität usw. Bei der starken Autarkiebewegung in Europa ist der Verkauf dieser Erzeugnisse auf den Weltmärkten außerordentlich schwierig, und der wachsende jüdische Markt ist schon jetzt für diese Staaten von großer positiver Bedeutung. Der neue arabische Staat wird ganz und gar auf den jüdischen Markt angewiesen sein. Aber nicht viel anders steht es mit Syrien. Die Hälfte seiner Ausfuhr (darunter aber auch eine Menge von industriellen Erzeugnissen) wird schon jetzt von Palästina aufgenommen. Also nicht wir werden von den arabischen Ländern abhängig sein, sondern sie von uns. Unter diesen Bedingungen wird es uns nicht schwer sein, ihre Märkte für die jüdischen Industrieerzeugnisse zu erobern. Wenn sich unsere Handelsbeziehungen zu den arabischen Ländern günstig entwickeln, so können wir den zweiten Schritt machen, und versuchen, die arabischen Länder wirtschaftlich zu entwickeln, um sie für unsere Ausfuhr aufnahmefähiger zu machen. Bei Ausbau der Bewässerung dürfte es möglich sein, auch den Irak in ein Land mit großer Baumwollausfuhr, wie es Ägypten ist, zu verwandeln. Für solche Kapitalinvestierungen müssen aber gewisse politische Vorbedingungen geschaffen werden. Der Jüdische Staat hat alle Aussichten, nicht nur zu einem wichtigen Industrie-, sondern auch zu einem wichtigen Handelszentrum des Nahen Ostens zu wrerden, dessen Feld bis nach dem Iran reichen könnte. Haifa würde zu einem Stützpunkt einer stark entwickelten jüdischen Schiffahrt werden. Von großer wirtschaftlicher Bedeutung könnte es für den Jüdischen Staat sein, wenn er der geistige Mittelpunkt der großen Galuth würde. Er kann großen Nutzer, aus dem Fremdenverkehr ziehen; Seebäder würden entstehen, Tiberias könnte sich zu einem Winterkurort ersten Ranges entwickeln. Dies kann den inneren Markt stärken und viel Geld ins Land bringen. Eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine solche Entwicklung ist eine geschickte Raumausnützung. Bei dichter Besiedlung und schneller Industrialisierung besteht die große Gefahr, daß die natürlichen Schönheiten des Landes verdorben werden. Schon jetzt ist die Sicht der dicht besiedelten Gegend zwischen Tel Aviv und Petach Tikwah keineswegs erfreulich. Die natürlichen Schönheiten gehören zu den größten Werten Palästinas. Die Annehmlichkeit des Lebens in einem schnell sich entwickelnden Lande sind am meisten von einer geschickten Raumausnützung abhängig, die jetzt in Palästina fast ganz vernachlässigt wird. IV. Schlußbetrachtungen. Das Bild der jüdischen Wirtschaft, das wir entworfen haben, steht im schroffen Gegensatz zu dem der Autarkisten. Meine Gegner werden gewiß erwidern, daß eine Wirtschaft, wie sie von mir gezeichnet wurde, nicht genügend stabil, daß ihre Abhängigkeit vom Weltmarkt viel zu groß sein werde. Leider sind schnell aufstrebende Wirtschaften immer gewissen Schwankungen ausgesetzt. Doch hat gerade die Wirtschaft Palästinas zur Zeit der Weltkrise den Beweis geliefert, daß ein Land mit einer starken Kapitaleinfuhr eine große Widerstandsfähigkeit gegen den Krisen besitzt. Das Entscheidende aber ist, daß wir auf die Vorzüge der Verflechtung in den Weltverkehr unmöglich verzichten können. Hätten wir unsere Wirtschaft auf der Autarkie auszubauen versucht, so wäre der Jüdische Sta-2: mit seinen spärlichen natürlichen Hilfsmitteln außerordentlich arm und für eine