Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 20 (1937)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1937)
- Article
- Über die Grundlagen der Wirtschaft des geplanten jüdischen Staates
- Date
- 1937-12-01
- Page
- Seite 608 (sequence 10)
- Language
- German
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Einwanderung nicht aufnahmefähig. Für uns ist im Gegensatz zu Richte kein geschlossener«, sondern nur ein »offener Handelsstaat« möglich. Im Laufe unserer Darlegung hatten wir vielmehr die Gelegenheit, hervorzuheben, daß die Vorbedingung einer erfolgreichen Entwicklung der jüdischen Wirtschaft die volle Handelssouveränität sei. Wir taten es absichtlich, denn im Vorschlag der Königlichen Kommission besteht eine Neigung, uns in unserer Handelspolitik an den neuen arabischen Staat zu binden. Die Handelspolitik eines rein agrarischen Staates, wie des arabischen, und die Handelspolitik eines schnell aufstrebenden Industriestaates, wie des jüdischen, müssen grundsätzlich verschieden sein. Wir können uns unmöglich handelspolitisch an den neuen arabischen Staat binden und dabei die Engländer als wohlwollende Vermittler benutzen. Das wäre für den Jüdischen Staat wirtschaftlich (und auch politisch) außerordentlich gefährlich, und ein solcher Vorschlag ist für uns grundsätzlich unannehmbar. Dabei dürfen wir in unserer Handelspolitik keineswegs auf den Handelsverkehr mit dem neuen arabischen Staat und auch mit den anderen arabischen Ländern verzichten. Wir sollten vielleicht dem neuen arabischen Staate freiwillig ohne jegliche englische Vermittlung eine Vorzugsstellung auf unserem Markte einräumen. Auf diesem Wege könnten wir hoffentlich auch zur Bereinigung unserer politischen Gegensätze mit dem arabischen Staat gelangen, denn dessen wirtschaftliche Abhängigkeit von uns wird sehr groß sein, und gegen den besten Käufer darf eine politische Hetze nicht entfacht werden. Dies betrifft auch die anderen arabischen Staaten. Voriges Jahr haben die Nationalisten Syriens, eines Landes, das die Hälfte seiner Ausfuhr nach Palästina schickt und aus unserem Lande kaum etwas bezieht, den Boykott gegen uns verkündet. Eine Nation, die keine nationale Regierung besitzt, muß sich auch so etwas gefallen lassen. Der Jüdische Staat könnte durch Sperrung seiner Grenzen einer solchen Hetze schnell ein Ende machen. Wir stimmen vollkommen mit Dr. Ruppin überein, daß der Brith Schalom, der so kläglich gescheitert ist, unter neuen, anderen Umständen auf Erfolg rechnen kann, denn ein Brith wird mit einer Macht und nicht mit einer Ohnmacht geschlossen. Vielleicht wird die Bereinigung unserer politischen Gegensätze mit den arabischen Staaten so weit gelingen, daß wir es wagen können, dort Investierungen vorzunehmen, und es sinnvoll sein wird, am Aufbau dieser Staaten mitzuarbeiten. Der kleine Jüdische Staat, der große wirtschaftliche Interessen in den Nachbarländern und überhaupt in der Welt haben wird, muß es verstehen, in unserer unruhigen Welt seine wirtschaftlichen Interessen auch politisch zu sichern. Leider wird die politische Macht dieses kleinen Staates niemals seinen wirtschaftlichen Bedürfnissen entsprechen, und er wird immer gezwungen sein, Anlehnung an eine Großmacht zu suchen. Es gibt im Lande viele, die glauben, daß der richtige Weg für uns wäre, den Jüdischen Staat in einen arabischen Staatenbund einzugliedern. Wir halten diesen Weg als äußerst gefahrvoll. Unsere politischen Beziehungen mit den arabischen Staaten sollen die herzlichsten sein, aber in eine politische Abhängigkeit von ihnen dürfen wir uns nicht begeben. Unsere zuverlässigste politische Stütze kann doch nur England bleiben, das den Jüdischen Staat gründen half. Die beste Lösung wäre vielleicht, die Verwandlung des Jüdischen Staates in ein englisches Dominion. In diesem Falle bliebe unsere Souveränität unangetastet, wir genössen die Pax Britannica und auch Reichsvorzugszölle, die unserer Landwirtschaft außerordentlich zugute kämen. So sind wir von der Handelspolitik auf das Gebiet der reinen Politik gelangt. Das ist aber kaum zu vermeiden, denn das Leben ist eine Einheit und nur aus Erkenntniszwecken versuchen wir es in Wirtschaft, Politik usw. zu zergliedern. Doch können wir diese rein politischen Fragen hier nicht weiter verfolgen.