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Palästina · 1937-12-01 · Heft 12 (Dezember 1937) · p. Seite 606

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Journal
Palästina
Volume
20 (1937)
Issue
Heft 12 (Dezember 1937)
Article
Über die Grundlagen der Wirtschaft des geplanten jüdischen Staates
Date
1937-12-01
Page
Seite 606 (sequence 8)
Language
German
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Aber die so weit verbreitete Meinung, daß das Fehlen von eigenen Rohstoffen eine bedeutende Entwicklung einer verarbeitenden Industrie unmöglich mache, muß als grundsätzlich falsch abgelehnt werden. Es ist möglich, mit eingeführten Rohstoffen nicht nur eine große Textilindustrie, sondern auch eine große Maschinenindustrie zu entwickeln. Für die Entwicklung einer verarbeitenden Industrie sind Verkehrslage, Kapital, Intelligenz, Handelsverbindungen und keineswegs allein das Vorhandensein von Rohstoffen maßgebend. Die Verkehrslage des Jüdischen Staates ist ausgezeichnet. Wir liegen am Wege von Europa nach zwei Kontinenten, in der Nähe des Suezkanals. Es gibt für uns auch eine iMöglichkeit, den Suezkanal auf dem Wege über Akaba zu umgehen und so unsere Waren von bedeutenden Gebühren zu befreien. Kapital, Intelligenz und Handelsverbindungen besitzen wir. Also hat der Jüdische Staat alle Aussichten, sich zu einem wichtigen Industriezentrum zu entwickeln. Das ist eigenüich der einzige Weg, die Aufnahmefähigkeit des Landes bedeutend zu steigern. Eine große, für Arbeitskräfte aufnahmsfähige, Industrie kann nicht auf Grundlage der Autarkie aufgebaut werden. Selbstverständlich müssen wir unseren inneren Markt für uns beanspruchen, und gegen Dumping durch Zölle schützen. Wir werden auch gelegentlich Erziehungszölle einführen müssen. Aber schützen soll man nur solche Industrien, die Aussichten haben, konkurrenzfähig zu werden, denn die Lebenskosten müssen im Jüdischen Staat niedrig bleiben. Unsere Hauptaufgabe wird aber sein, Industrien zu entwickeln, die auswärtige Märkte zu erobern imstande sind. Wenn wir diese Aufgabe nicht lösen, so kann ein dicht besiedelter Jüdischer Staat nicht Wirklichkeit werden. Können wir in den heutigen schwierigen Zeiten, wo die meisten Staaten zur Autarkie neigen, auswärtige Märkte erobern? Wir glauben diese Frage bejahen zu können. Wie bekannt, ist unsere Handelsbilanz stark passiv, unsere Einfuhr dreieinhalb bis viermal so groß wie unsere Ausfuhr. Dies ist teilweise eine abnormale Erscheinung und dadurch zu erklären, daß unsere Regierung den Schutz des inneren Marktes und die Entwicklung unserer Ausfuhr vernachlässigt. Im Jüdischen Staat wird die Handelspolitik anders sein, und das Verhältnis von Einfuhr und Ausfuhr für uns günstiger. Dennoch muß ein starkes Passivum der Handelsbilanz als eine normale Erscheinung .des Jüdischen Staates betrachtet werden, der für lange Zeit ein Land einer sehr starken Kapitaleinfuhr bleibt, Kapitaleinfuhr bedeutet aber Wareneinfuhr. Wir werden also in der Welt als guter Käufer betrachtet werden, und mit einem solchen Käufer rechnet man. Wir werden keine Schwierigkeiten haben, die Erzeugnisse unserer intensiven Landwirtschaft und unserer Industrie, wenn sie nicht schlecht und nicht teuer sein werden, auf den Weltmärkten abzusetzen. Im vollen Gegensatz zu unserer heutigen unglücklichen Lage, werden dem Jüdischen Staat alle Tore offen stehen. Die Verbindungen des Jüdischen Staates mit den Juden in der Galuth werden dabei von großem Nutzen sein. Außer den Ländern des östlichen Mittelmeeres, könnten besonders die sich schnell entwickelnden Länder des afrikanischen Kontinents als Absatzmärkte für uns große Bedeutung gewinnen. Besondere Beachtung verdienen selbstverständlich die Märkte des Nahen Ostens, und zwar die arabischen Länder. Diese wären eigentlich unsere natürlichen Märkte, wo uns die Überwindung des europäischen Wettbewerbs am leichtesten fallen sollte. Es ist zu hoffen, daß ein in seiner Handelspolitik völlig selbständiger Jüdischer Staat es verstehen wird, für seine Industriewaren die arabischen Märkte zu erobern. Der Jüdische Staat wird in dieser Hinsicht in einer günstigen Lage sein. Die arabischen und auch die anderen Länder des Nahen Ostens verfügen hauptsäch-

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