Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 20 (1937)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1937)
- Article
- Über die Grundlagen der Wirtschaft des geplanten jüdischen Staates
- Date
- 1937-12-01
- Page
- Seite 605 (sequence 7)
- Language
- German
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beute keine unüberwindlichen Transportschwierigkeiten. Die Meinung Volcanys, daß wir auf auswärtigen Märkten nur mit Monopolerzeugnissen auftreten können, halte ich für eine Übertreibung. Die Aufgabe ist, die besonderen natürlichen Bedingungen unseres Landes geschickt auszunutzen, und dazu sind Monopolkulturen nicht unumgänglich nötig. Die »Schamutti« hat den Siegeszug der palästinensischen Orange auf den Weltmärkten beschleunigt aber Palästina hätte sich auch mit einer »Valencia«1 auf den Weltmärkten durchschlagen können. Wir müssen jedoch alle technischen Mittel anwenden, um die Produktionskosten unserer höchst intensivierten Landwirtschaft herabzudrücken. Volcany unterstreicht immer, daß Fragen der intensiven Wirtschaft ins Gebiet der Biologie gehören. Das ist nicht zu bestreiten. Aber auch die Fragen der Mechanisierung unserer intensiven Wirtschaft sollten nicht vernachlässigt werden. Wir möchten also für die Landwirtschaft des Jüdischen Staates ein Programm vorzeichnen, das im vollem Gegensatz zu dem von Michaelis steht: Eine große Einfuhr landwirtschaftlicher Erzeugnisse wird für uns unvermeidlich sein. Wir sind uns der Vorzüge des inneren Marktes für unsere Landwirtschaft vollständig bewußt, möchten ihn aber durch übermäßige Zölle nicht für unsere Landwirtschaft monopolisieren und auf die ungeheuren Vorzüge des Weltwirtschaftsverkehrs nicht verzichten. Der großen Einfuhr von billigen landwirtschaftlichen Erzeugnissen möchten wir eine entsprechende große Ausfuhr von wertvollen landwirtschaftlichen Erzeugnissen entgegenstellen. Auf diesem Wege müssen wir versuchen, unseren Außenhandel teilweise auszugleichen. Es ist aber ohne weiteres klar, daß der Jüdische Staat mit seiner außerordentlich dichten und dabei relativ anspruchsvollen Bevölkerung keineswegs ein Agrarstaat werden kann. Nicht anders steht es mit allen dichtbevölkerten Kulturstaaten. In der Schweiz sind 20 S% der Bevölkerung in der Landwirtschaft beschäftigt, in Holland, das eine große Ausfuhr von landwirtschaftlichen Erzeugnissen aufweist, 20,5%, in Belgien nur 17,1%. Auf dem Kongreß von Luzern im Jahre 1935 sprach Dr. Ruppin in dem Sinne, daß normal ein Drittel der jüdischen Bevölkerung mit Landwirtschaft beschäftigt sein solle; am letzten Kongreß in Zürich war er bereit, sich mit 25% zu begnügen. Das Bestreben, den womöglich größeren Teil der jüdischen Bevölkerung in der Landwirtschaft zu verankern, entspricht den Grundsätzen des Zionismus. In einem übervölkerten Ländchen ist dies aber nur in einem sehr bescheidenen Maße zu verwirklichen möglich. Gegenwärtig sind lediglich 14% des Jischuw in der Landwirtschaft tätig. Wäre es gelungen, bei einer starken Einwanderung, den Anteil der landwirtschaftlichen Bevölkerung nur noch bis zu 17%. das heißt bis zur belgischen Norm, zu bringen, so hätte auch ein solches Ergebnis zu den größten Errungenschaften des Zionismus gezählt werden können. Wie dem auch sei, es ist klar, daß der Jüdische Staat in viel größerem Maße ein Industrie- und Handelsstaat, als ein Agrarstaat sein wird. III. Industrie und Handel. Was die Versorgung mit Brennstoffen betrifft, so wird die Lage des Jüdischen Staates günstig sein; er verfügt außer einer bescheidenen Menge Wasserkräfte über ein so billiges Brennmaterial, wie öl und vermag sich so von einer bedeutenden Kohleneinfuhr zu befreien. Schlecht steht es mit Mineralien; unser Jüdischer Staat wird kaum eine Möglichkeit haben, einen nennenswerten Bergbau, eine entsprechende Eisenindustrie, zu entwickeln. J Im »Boustnai« empfiehlt Smilansky den Anbau der »Valencia«-Orange. Siehe Seite 642. — Die Red.