Mannheim
Compact Memory

Palästina · 1937-12-01 · Heft 12 (Dezember 1937) · p. Seite 603

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
20 (1937)
Issue
Heft 12 (Dezember 1937)
Article
Über die Grundlagen der Wirtschaft des geplanten jüdischen Staates
Date
1937-12-01
Page
Seite 603 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2379786-2379953-2379965-2413051--26409-2413204
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

über eine »ausgeglichene« Wirtschaft. Diese Wirtschaftspolitiker lassen außer acht, daß. um eine solche »ausgeglichene« Wirtschaft zu schaffen, Zölle auf Zölle getürmt werden müßten. Sie berücksichtigen auch nicht, daß jede Verteuerung des Getreides eine entsprechende Erhöhung der Produktionskosten der Erzeugnisse der 'Viehzucht bewirkt. Diese Pläne bedeuten einen Verzicht auf die Vorzüge der weltwirtschaftlichen Arbeitsteilung. Das ist der Weg der extremen Verteuerung der Lebenskosten der Bevölkerung. Diesen W eg dürfen wir aber nicht gehen. Wie wir bald sehen werden, ist die Schaffung einer großen Industrie für den Jüdischen Staat eine Lebensfrage. Unsere Industrie muß unseren Arbeitern einen anständigen Reallohn sichern, der unvergleichlich höher sein müßte, als derjenige in den Nachbarländern. Soll unsere Industrie in dem schweren Konkurrenzkampf nicht unterliegen, so muß der verhältnismäßig hohe Reallohn einem noch für sie tragbaren Nominallohn entsprechen. Daher dürfen die Lebensmittel im Jüdischen Staat nicht überteuert werden. Man soll sich dabei nicht auf das Beispiel jener Länder Europas berufen, die jetzt die Autarkie zu verwirklichen trachten. Diese verfügen über verhältnismäßig große Landflächen, und deswegen kann ihre Landwirtschaft viel leichter zum Zwecke der Selbstversorgung ausgedehnt werden. Diese Länder haben auch ihre Industrie schon längst ausgebaut und die Märkte erobert. Eine zusätzliche Belastung ist für sie jetzt noch tragbar. Und doch ist, im Grunde genommen, diese Autarkiepolitik von politischen und nicht wirtschaftlichen Rücksichten diktiert, sie führt zur Senkung des Lebensniveaus der Bevölkerung und zu einem verhängnisvollen Niedergang des Welthandels. Das Problem der intensiven Landwirtschaft kann bei uns nicht einfach durch hohe Schutzzölle gelöst werden. Zu Agrarzöllen dürfen wir nur ausnahmsweise greifen und dies nicht im Kampf gegen die natürlichen Vorzüge der extensiven Wirtschaft, sondern nur gelegentlich zum Schutz unserer intensiven Wirtschaft auf dem inneren Markt gegen das sogenannte »soziale« Dumping, gegen Konkurrenz der billigen Arbeit (z. B. yegen Einfuhr von. Gemüse aus den Nachbarländern). Im allgemeinen aber müssen wir »■ine Lösung auf anderen Wegen suchen, auf Wegen, die unsere Wirtschaft schon ooFunden und beschritten hat. Erstens vermag unsere intensive Landwirtschaft solche Nahrungsmittel zu erzeugen, ciie nicht eingeführt werden können. Das ist der Weg, den unsere sogenannte gemischte Wirrschaft eingeschlagen hat. Die Zahl solcher Erzeugnisse ist aber nicht besonders ^roij. Das wichtigste dieser Erzeugnisse ist frische Milch, dann kommen Gemüse, sowie einige Obstsorten. Der Verbrauch dieser Erzeugnisse ist bei allen Kulturvölkern im Wachsen begriffen. Leider ist der Verbrauch frischer Milch in Palästina sehr geringfügig: eine ziemlich wohlhabende Stadt, wie Tel Aviv, verbraucht pro Kopf keine ' L::er Milch, während die wohlhabenden Städte Europas 100 bis 200 Liter pro Kopf verbrauchen. Vielleicht wirken sich hier die jüdischen rituellen Vorschriften un- \: uns: ig aus. vielleicht ist der Milch preis unserer überintensivierten Wirtschaft im Vergleich zu den Preisen unserer Erzeugnisse, wie Butter, Fleisch usw., viel zu hoch- Die Erzeugung von Gemüse steht unter dem Konkurrenzdruck der billigeren Preise der teilweise von einheimischen Arabern, teilweise aus den Nachbarländern auf unseren 603

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.