Mannheim
Compact Memory

Palästina · 1937-12-01 · Heft 12 (Dezember 1937) · p. Seite 602

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
20 (1937)
Issue
Heft 12 (Dezember 1937)
Article
Über die Grundlagen der Wirtschaft des geplanten jüdischen Staates
Date
1937-12-01
Page
Seite 602 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2379786-2379953-2379965-2413051--26408-2413203
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

bewässerbar. Zunächst sind davon über 1,3 Millionen Dunam bewässerbarer und unbewässerbarer Boden in jüdischem Besitz, von dem nur ein kleiner Teil außerhalb der vorgeschlagenen Grenzen bleibt. Es ist wahrscheinlich, daß ein bedeutender Teil des Berglandes und ein gewisser Teil der bewässerbaren Böden in den Händen der Araber verbleiben wird. Auch dies wird unsere Kolonisationsmöglichkeit begrenzen. Eine wirklich intensive Wirtschaft kann in Palästina nur auf bewässerbaren Böden entwickelt werden. Bei der Besiedlung von Emek-Chefer wurden jeder Familie nur 15 bis 20 Dunam (VA bis 2 Hektar) zugewiesen, während ein Siedler in Preußen 10 bis 15 Hektar Land erhält. Dagegen sind die Intensivierungsmöglichkeiten auf den unbewässerbaren Böden, wie wir schon gesagt haben, in Palästina recht bescheiden. Die Intensivierung der Landwirtschaft ist aber nicht nur, wie die meisten glauben, eine Frage der Technik, sondern auch ein wirtschaftliches Problem. Die Landwirtschaft entwickelt sich unter dem Druck des Gesetzes vom abnehmenden Bodenertrag, das heißt beim Übergang zur intensiven Wirtschaft nimmt die Ertragsteigerung nicht in dem Maße zu, wie die zusätzlichen Aufwendungen für steigende Intensivierung. Dies verkennen viele Wirtschaftler und Agronomen. Sie sagen, daß der Fortschritt der Technik die Wirkung des Gesetzes des abnehmenden Bodenertrages aufgehoben habe. Es ist zuzugeben, daß dieser Fortschritt im Laufe der wirtschaftlichen Entwicklung oft die schädlichen Auswirkungen der Intensivierung auszugleichen vermochte. Ausgleichen heißt aber doch nicht aufheben. Wenn das Flugzeug in den Wolken schwebt, so bedeutet dies keineswegs, daß es außerhalb des Wirkungsbereiches der Anziehungskraft der Erde gekommen sei. Und was geschähe, wenn der Konstrukteur eines Flugzeuges mit dieser Anziehungskraft nicht rechnen wollte? Diejenigen, die glauben, daß der technische Fortschritt die Bedeutung des Gesetzes des abnehmenden Bodenertrages aufhebe, vergessen, daß dieser Fortschritt keineswegs nur der intensiven Wirtschaft eigentümlich ist, sondern auch in der extensiven stattfindet. Gerade die Mechanisierung der Landwirtschaft, die jetzt mit dem Siegeszug des Traktors ihre größten Erfolge zeitigt, ist von viel größerer positiver Bedeutung für die extensive, als für die intensive Landwirtschaft. Infolgedessen vermag der technische Fortschritt an dem verhältnismäßigen Arbeitserfolg in der extensiven und intensiven Landwirtschaft nichts zu ändern. Die Erzeugnisse der intensiven Wirtschaft können mit gleichartigen Erzeugnissen der extensiven Wirtschaft niemals auf dem Markte konkurrieren. Wenn das Produkt der intensiven Wirtschaft gegen die Konkurrenz der extensiven Wirtschaft nicht durch hohe Transportkosten geschützt ist, so bleibt nur übrig, es durch Zölle zu schützen. Diese Umstände erschweren die Höchstintensivierung der Landwirtschaft, die aber für uns wegen Mangel an Boden eine Lebensnotwendigkeit ist. Der weitaus größte Teil der Wirtschaftler Palästinas möchte die Frage des Absatzes unserer landwirtschaftlichen Erzeugnisse und folglich auch die der Organisation der Landwirtschaft im souveränen Jüdischen Staat zu einfach lösen. Der Artikel von Alfred Michaelis im August/September-Heft dieser Zeitschrift ist typisch für solche Stimmungen. Die jüdische Nahrungswirtschaft müsse auf den Grundlagen der Autarkie aufgebaut werden. Wir brauchen so und so viel Getreide, also müssen im neuen Staate 1,3 Millionen Dunam des so wertvollen bewässerten Bodens dem Getreidebau gewidmet werden; wir brauchen so und so viel Fleisch, also müssen 300.000 bis 400.000 Dunam bewässerten Bodens zur Züchtung von Mastvieh gewidmet werden. Im September-Heft des »Palestine and Middle East« träumt ein anderer gediegener Kenner der palästinensischen Wirtschaft, Z. Abramovitz, dieselben Träume

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.