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Palästina · 1937-11-01 · Heft 11 (November 1937) · p. Seite 568

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Journal
Palästina
Volume
20 (1937)
Issue
Heft 11 (November 1937)
Article
Löhne und Preise
Date
1937-11-01
Page
Seite 568 (sequence 2)
Language
German
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wie Marseille und Wien. Infolgedessen liegen die Reallöhne von London und Stockholm weit über denjenigen des jüdischen Palästina, Marseille und Wien. Warschau, Belgrad, Riga und das arabische Palästina haben bei den niedrigsten Nominallöhnen auch die niedrigsten Ernährungskosten, so daß die Reallöhne in Warschau höher sind als im jüdischen Palästina, in Marseille und Wien, während sich ihnen die von Belgrad, Riga und dem arabischen Palästina weit stärker annähern, als es den Nominallöhnen entspricht. Die höheren Nominallöhne des jüdischen Palästina werden also wie diejenigen von Marseille und W i e n durch den hohen Stand der Ernährungskosten stark nach unten nivelliert. Das Gewicht der hohen Ernährungskosten wird für Palästina noch dadurch vergrößert, daß zu diesen die hohe Mietbelastung hinzukommt, von der das Statistische Amt bemerkt, daß Grund zu der Annahme besteht, daß die Mietausgaben einer jüdischen Arbeiterfamilie in Palästina beträchtlich höher sind als in vielen, wenn nicht in allen europäischen Ländern. Die hohen Mieten bedeuten einen weiteren Druck auf den Reallohn. Dem steht andererseits jedoch gegenüber, daß die international für die Reallohnberechnung als repräsentativ angesehenen Nahrungsmittel für die andersartigen Ernährungsverhältnisse eines halbtropischen Landes, wie Palästina nicht charakteristisch sind. Das Statistische Amt hat daher eine ergänzende Berechnung der Ernährungskosten für eine jüdische 1 und arabische 2 Arbeiterfamilie vorgenommen, bei der sich die lokalen Ernährungsausgaben gegenüber den international als repräsentativ angesehenen für jüdische Arbeiter von 352,4 auf 280,9 Müs per Woche, für arabische Arbeiter von 273,4 auf 206,6 Müs verringern. Würde man auf Basis dieser Ernährungsausgaben den Index des jüdischen Reallohns berechnen, so würde sich dieser (London 100) von 64 auf 80 erhöhen (jedoch fehlt diesem lokalen Index die internationale Vergleichsmöglichkeit. Jedenfalls ergibt sich aus diesen Untersuchungen, daß die Lohnfrage der jüdischen Wirtschaft weit weniger ein Problem "der nominalen Lohnhöhe als eines der Preise ist, wobei zwischen dem Lohn- und Preisfaktor in gewissem Sinne allerdings der Zusammenhang eines circulus vitiosus besteht. Geht man den im Vergleich zu den osteuropäischen und arabischen relativ hohen jüdischen Ernährungskosten näher nach, so ergibt sich, daß diese vor allem auf den hohen jüdischen Mehl- und Brotpreisen, ferner auf den hohen Preisen für koscheres Rindfleisch im Vergleich zu den international eingesetzten Schweinefleisch- und Baconpreisen beruhen. Bei den übrigen in Betracht kommenden Ernährungsausgaben handelt es sich auf dem jüdischen Markt fast ausnahmslos um eingeführte Waren (Kartoffeln, Reis, Milch, Käse, Eier, Zucker, Tee, Kaffee), bei denen die jüdischen Preise kaum über den arabischen liegen. Würde man jedoch statt eingeführter Butter und Eier die Preise der entsprechenden jüdischen Produkte und ferner die jüdischen und arabischen Gemüse- und Obstpreise in Betracht ziehen, so würde sich noch eine wesentlich stärkere Belastung der Ernährungskosten für jüdische Arbeiter ergeben. Die Unterschiede in den Kleinhandelspreisen auf dem jüdischen und arabischen Markt im Durchschnitt der letzten vier Monate (Juli/Oktober 1937) weisen nach der 1 Auf Basis einer Untersuchung der Lebenshaltungskosten einer jüdischen Arbeiterfamilie durch das Arbeitsamt der Zionistischen Exekutive vom Jahre 1926. 2 Auf Basis einer Regierungsuntersuchung über die Ausgaben eines arabischen Subalternbeamten vom Jahre 1922.

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