Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 20 (1937)
- Issue
- Heft 11 (November 1937)
- Article
- 20 Jahre Balfour-Deklaration
- Date
- 1937-11-01
- Page
- Seite 564 (sequence 4)
- Language
- German
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Kollaps, so daß von 1926 bis 1931, in sechs Jahren, ein Einwanderungsüberschuß von bloß rund 13.000 Juden gezählt wurde. Von 1920 bis 1931 betrug der Überschuß der Einüber die Auswanderung rund 76.400 Köpfe8 oder 6400 per Jahr. Hätten die Mittel der Zionistischen Organisation ausgereicht, eine Einwanderung von je 20.000 Juden per Jahr in diesen zwölf Jahren zu finanzieren und zu produktivieren, so wäre schon 1931 der Anteil der jüdischen Bevölkerung auf 30% gestiegen, der erst heute nach der Masseneinwanderung der Jahre 1931 bis 1936 erreicht worden ist Durch dieses Versagen, das schon Samuel bitter empfand und ihn zu schmerzlichen Äußerungen der Enttäuschung veranlaßte, ist es .der Mandatsverwaltung erschwert worden, ihre Politik nach dem Geiste der Balfour-Deklaration zu gestalten. Doch hat auch sie einen großen Teil der Schuld daran, daß die Juden nicht schneller vorwärts kommen konnten. Solche Erwägungen drängen sich auf, wenn heute die Untersuchungen und die Vorschläge des Peel-Berichtes Grundlagen für schwerwiegende Entscheidungen bilden sollen. Der Bericht erkennt mit größter Bereitwilligkeit die Leistungen der Juden in Palästina an, dennoch will er aus politischen Gründen den Umkreis ihrer Tätigkeit auf einen kleinen Raum beschränken und diese schmerzhafte Amputation des Landes durch Zubilligung voller Selbständigkeit annehmbar machen. Seit Erstattung dieser Vorschläge sind sehr viel neue Momente zutage getreten, die für die Entscheidung wichtig sind. Der Widerstand des englischen Parlamentes gegen die Teilung, die vermittelnden Vorschläge der Mandatskommission, das Wiederaufleben des Terrors im Lande und das energische Auftreten der englischen Regierung gegen ihn. Was für diese plötzliche feste Haltung gegen die Führer der palästinensischen Araber ausschlaggebend war, ist nicht völlig klar: ob die Ermordung eines hohen Beamten, ob die für England kritische Lage im Mittelmeer, ob der Wunsch, die Gegner des Teilungsplanes kaltzustellen — wahrscheinlich sind es all diese Momente zusammengenommen, was auch eine Äußerung von M. Ormsby-Gore in der Unterhaussitzung vom 21. Oktober vermuten läßt, wonach der Mufti während seiner ganzen Amtszeit gegen England Politik gemacht habe. Ob Abdullah und sein Anhang es trotz der Verhetzungen und des Terrors seitens der arabischen Extremisten wagen werden, den Teilungsplan im Namen der Araber zu akzeptieren, ist zweifelhaft. Von Seite der Juden ist die Ablehnung der Teilung in der vorgeschlagenen Weise vom Zionistenkongreß und dem Council der Jewish Agency ausgesprochen wordenr doch wäre für einen wesentlich verbesserten Plan, über den zu verhandein die Exekutive ermächtigt wurde, die Zustimmung der Juden zu erreichen. Die englische Regierung hat wiederholt betont, daß sie sich nur für das Prinzip der Teilung erklärt habe, an die Details des vorgeschlagenen Plans aber nicht gebunden sei. Ob sie in der Lage oder willens wäre, Gebiete, die an den arabischen Staat fallen sollen, dem jüdischen zuzuteilen, ist bei der Erregung, die unter den Arabern Palästinas herrscht, fraglich. So liegt die Frage der Teilung vorläufig noch im Dunkeln; die Kommission zur Untersuchung der Grenzziehung mußte ihre Abreise auf den Zeitpunkt verschieben, in dem der Terror erloschen sein wird. Die Unsicherheit über die Zukunft Palästinas wirkt sich für die Wirtschaft Palästinas krisenhaft aus. Um von jüdischer Seite aus einen Beitrag zu einer annehmbaren Lösung zu bieten, ist von sehr maßgebender zionistischer Seite in letzter Zeit ein Vorschlag gemacht worden, der die höchste Be- 8 Siehe: Alijah, Kowez leinjanei Haalijah, 5695, Tabelle Nr. 32.