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Palästina · 1937-11-01 · Heft 11 (November 1937) · p. Seite 563

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Journal
Palästina
Volume
20 (1937)
Issue
Heft 11 (November 1937)
Article
20 Jahre Balfour-Deklaration
Date
1937-11-01
Page
Seite 563 (sequence 3)
Language
German
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ihm erwidert, daß es darauf ankommt, welchen Eindruck der Wortlaut des Briefes machen mußte, nicht, was damit beabsichtigt war. Die Entscheidung über die Tragweite sowohl der Balfour-Deklaration als auch der Versprechungen Englands an den Scherifen Hussein, dem damaligen Sprecher der arabischen Unabhängigkeitsbewegung, auf die sich einerseits die Juden, andererseits die Araber berufen, ist aber heute nicht in der Sphäre von Auslegungen zu suchen, sondern hängt von der Kraft der politischen Faktoren ab, die gegenwärtig über das zukünftige Schicksal Palästinas entscheiden. Jedenfalls aber hat der Brief Mac Mahons schon eine verhängnisvolle Folge gehabt: Er wurde als Deckung für die durch nichts gerechtfertigte Abtrennung Transjordaniens von Palästina (1922) und die Abschließung des Landes gegen jüdische Einwanderung benutzt. Dieser politische Akt war eine Verlegenheitsimprovisation mit dem Zwecke, dem völlig ungefährlichen Emir Abdullah, der mit 200 Mann in Ammann erschienen war, um den Thron von Syrien zu erobern, zu befriedigen6. Erst nachträglich (zum ersten Mal in einer Rede von Lord Arnold vom 27. Mai 1924) wurde von den britischen Staatsmännern erklärt, Transjordanien gehöre unter die Gebiete, für die man Hussein arabische Unabhängigkeit zugesagt hat, eine Auffassung, die auch die Peel-Kommission ohne nähere Untersuchung übernahm7. Heute stehen wir vor dem Vorschlag, Palästina in einen arabischen und einen jüdischen Staat zu teilen und die Balfour-Deklaration aufzuheben, und zwar auch für einen Rest von Palästina, den Korridor von Jerusalem, der (dieses einschließend) bis zum Meere reichen und unter britischem Mandat verbleiben soll. Die Balfour-Deklaration, wie immer man sie interpretieren will, bedeutete im Zeitpunkt ihrer Verkündigung eine Anerkennung des Anspruches der Juden auf nationale Selbstregierung, und die Zusage einer der bedeutendsten Mächte der Welt, die sich der Zustimmung der anderen vorher versichert hatte, ihnen dazu zu verhelfen. Auf ihr fußt das Mandat mit all den Rechten, die den Juden auf Palästina gegeben wurde. Aus den obzitierten Aussagen der britischen Staatsmänner, die glaubten, hinter den Zionisten stehe das ganze jüdische Volk und eine große Finanzkraft, geht hervor, daß sie erwarteten, die Juden würden in nicht allzu langer Zeit die Majorität im Lande bilden, wenn ihnen ein »Start« gegeben werde (Ausspruch Lloyd Georges zu Weizmann in San Remo, 24. April 1920). Die Juden hatten darin die englischen Politiker enttäuscht, wie andererseits diese die Juden, da sie aus Rücksicht auf den arabischen Nationalismus und aus Furcht, sich militärisch stark engagieren zu müssen, den Juden nur wenig Unterstützung gewährten. Doch darf die berechtigte Hervorhebung dieser Tatsache die Juden nicht dazu verleiten, das eigene Versagen zu verkennen. In den ersten Jahren nach Friedensschluß, als die arabische Bevölkerung noch relativ schwach und Boden zu Preisen erhältlich war, die zwar an sich hoch, aber relativ noch als erschwinglich angesehen werden konnten, vermochten die Zionisten nicht, die Judenheit der Welt aufzurütteln, die veranschlagten 25 Millionen Pfund aufzubringen, und eine große Zahl von Juden nach Palästina zu bringen. In den vier Jahren von 1920 bis 1923 wanderten nur rund 8000 Juden per Jahr ein, und nachdem 1924/25 durch einen äußeren Anstoß (die Verhältnisse in Polen) zusammen rund 50.000 Juden einwanderten — mit Hilfe privater Kapitalien — folgte darauf ein jahrelang währender 6 Siehe Böhm, op. cit. S. 147. — Näheres bei Josef Schechtmann: Transjordanien, Wien 1937, wo S. 72 eine Erklärung Churchills zitiert ist, aus der hervorgeht, daß der Brief Mac Mahons keine Rolle bei Einsetzung des Emirs spielte und erst nachträglich zur Rechtfertigung der Abtrennung Transjordaniens von Palästina benützt wurde. 7 Siehe Report usw. II, 28, S. 28.

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