Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 20 (1937)
- Issue
- Heft 11 (November 1937)
- Article
- 20 Jahre Balfour-Deklaration
- Date
- 1937-11-01
- Page
- Seite 562 (sequence 2)
- Language
- German
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lassung der Balfour-Deklaration in einem kritischen Moment des Krieges die Sympathien der Judenheit, vor allem jener in Amerika, gewinnen wollte. Jedoch war in bezug auf die Absichten, die mit der Balfour-Deklaration intendiert waren, bisher noch nicht bekannt gewesen, was der damalige Premierminister, Lloyd George, vor der Kommission aussagte: daß mit ihr die Errichtung eines jüdischen Staates gemeint war, zu dem Palästina werden sollte, sobald die Juden dort die Mehrheit erlangt hätten 3. Noch viel aktueller und selbst für die Zionisten verblüffend ist die Aussage von Winston Churchill über sein Statement vom Jahre 1922, das bis heute als die offizielle Interpretation des Begriffs Nationalheim gilt — eine Interpretation, die von den Zionisten immer als Negierung der Staatsidee angesehen wurde. Mr. Churchill sagte, daß durch sein Statement nicht beabsichtigt war, die endgültige Aufrichtung eines Judenstaates zu verhindern 2. Die Kommission untersuchte andererseits auch die Behauptung der Araber, daß Palästina durch die Zusagen in dem Briefe, den Sir Henry Mac Mahon (der während des Krieges Oberkommissär von Ägypten war) an den Scherifen (später König) Hussein von Mekka am 24. Oktober 1915 gerichtet hatte, in das Bereich der Länder künftiger arabischer Unabhängigkeit falle. Über diese Frage hat sich seit damals eine endlose Kontroverse entsponnen. Es ist für den Einfluß, den man moralischen Verpflichtungen in der Politik Englands einräumt, charakteristisch, daß fast zwei Jahrzehnte nach Einführung eines durch Völkerrecht geschaffenen staatsrechtlichen Zustandes, in Palästina — des Mandates — die britischen Staatsmänner untersuchen, ob dieser den alten Versprechungen genüge. Der erwähnte Streit um die Auslegung des Briefes von Mac Mahon ist deshalb so schwer zu entscheiden, weil dessen Ausdrucksweise — wahrscheinlich absichtlich — äußerst unklar gewesen ist. Von den Territorien, die unter arabische Autonomie fallen sollten, waren ausgenommen: »Die Distrikte von Mersina und Alexandrette und die westlich von den Distrikten Horns, Hama, Aleppo gelegenen Teile von Syrien«. Ferner machte England den Vorbehalt, nur für jene Gebiete die arabische Unabhängigkeit anzuerkennen, in denen Großbritannien unbeschadet der Interessen seines Alliierten Frankreich Handlungsfreiheit hätte3. Die Auslegung der erstgenannten Eximierung ist sehr schwierig. Die Peel-Kommission gibt eine Karte der früheren türkischen Distriktseinteilung, auf die ja in dem betreffenden Passus, freilich in sehr undeutlicher Weise, Bezug genommen ist, aus der keine Ausnehmung Palästinas hervorgeht4, wohl aber erhellt diese aus der zweiten Bestimmung, da ja England mit Frankreich ein Abkommen getroffen hatte3 (Sykes Picot-Vertrag vom 16. Mai 1916), das für Palästina die Internationalisierung vorsah. Von diesem Abkommen wußte Hussein allerdings nichts. Tatsächlich haben alle englischen Staatsmänner seit Kriegsende erklärt, daß Palästina nicht unter die Länder gehört, für die Hussein die arabische Unabhängigkeit zugestanden worden ist. Während der Debatten über den Peel-Bericht hat Lord Samuel am 21. Juli 1937 im Oberhaus im Namen Sir Gilbert Claytons (während des Krieges Chef der arabischen Büros in Kairo) erklärt, daß nicht beabsichtigt war, Palästina in das Versprechen an den Scherifen Hussein einzuschließen, was auch zwei Tage später Sir H. Mac Mahon selbst in einem Briefe an die »Times« bestätigte. Freilich wurde 1 Palestine Royal Commission, Report, London 1937, II, 20, S. 24. 2 Palestine Royal Commission, Report, London 1937, II, 39, S. 33. 3 Siehe über diese Frage: Adolf Böhm: Die Zionistische Bewegung, II. Bd., Jerusalem 1937, S. 241 ff. 4 Siehe Report usw. S. 18. 5 Siehe dazu Böhm, op. cit., S. 239 ff.