Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 20 (1937)
- Issue
- Heft 11 (November 1937)
- Article
- Bemerkungen zur landwirtschaftlichen Wasserbilanz in Palästina
- Date
- 1937-11-01
- Page
- Seite 549 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2379786-2379953-2379964-2412753--26195-2412926- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
sehr hemmendes Moment, dem durch Wanderinstruktoren und Inspektionen am ehesten beizukommen ist. Um auf die Bewässerung im kleinen nochmals zurückzukommen, wollen wir noch über die Methode ohne fixe Apparaturen einige Worte sagen. Die amerikanische Art des Grabenziehens ist nur bei geschlossenen Reihenpflanzungen und bei geringem Gefälle als rationell anzusehen. Der sich selbst in Drehung versetzende am Schlauch befestigte Beregner hat dieser Methode gegenüber den Vorteil, daß das Wasser viel langsamer den Boden durchdringt, doch geht bei Reihenpflanzungen mit großem Breitenabstand viel Wasser verloren. Für Gemüsebeete, die keine fixen Beregner haben, ist diese Art wohl die beste Methode. Das Vorteilhafteste für alle Pflanzen und zugleich wassersparendste ist stets der Gießtelier. Selbst bei Reihen, in denen die Pflanzen nicht ganz eng gepflanzt sind, sollte die Arbeit nicht gescheut werden, solche Gießteller anzulegen. Hierbei kommt tatsächlich das ganze Wasser fast ohne Verlust der Pflanze zugute, ohne daß zugleich das Unkraut in der Umgebung wie sonst der Hauptnutznießer ist. Es ist selbstverständlich, daß man, wenn man sich schon der Mehrarbeit durch das Anlegen der Gießteller (das sind ringförmige Vertiefungen um jede Pflanze) unterzogen hat, auch darauf sehen muß, daß diese sachgemäß geschieht. Dagegen wird, wie ich oft beobachten konnte, besonders bei geneigten Flächen auch von Gärtnern häufig gesündigt. Alle diese Details sind hauptsächlich für den Einzelnen sehr wichtig, in der Summe ergeben sie aber, allgemein angewendet, eine nicht unbeträchtliche Wasserersparnis, bzw. eine beachtenswerte Verbesserung der Kulturen. Denn es ist selbstverständlich, daß nur das von der Pflanze ausgenützte Wasser zur Produktion beitragen kann, alles andere ist Wasserverlust. Die Speicherung des Niederschlagswassers durch den einzelnen Siedler« a) Terrassen: Was die Gießteller bei geneigten Kulturflächen im kleinen sind, das bedeuten die Terrassen im großen. Welche hohe Bedeutung ihnen im Altertum beigemessen wurde, zeigt jeder Blick in das Landschaftsbild des palästinensischen Berglandes, wo überall die Spuren großartig angelegter Terrassenbauten zu sehen sind. Zum größten Teil ist es der Verfall dieser alten Kultivierungsform, der unsere Berge bis heute veröden, den Feuchtigkeitsgehalt der Luft verringern und die Berglehnen von der Bodenkrume entblößen ließ. Es ist erschreckend, wenn man fortlaufend die heute stark geneigten Flächen von den Fellachen überpflügen sieht und weiß, wie der Boden von Jahr zu Jahr immer weiter abgerissen, in die Wadis geschwemmt und schließlich in den Mulden aufgehäuft, bzw. ins Meer geführt wird. Eine tatkräftige Regierung könnte in dieser Beziehung sehr bedeutendes leisten. Das erste' wäre eine intensiv geführte Aufklärungskampagne. Gerade für die Araber, die ja Meister im billigen und schnellen Aufführen von Mauern sind, wTäre es bei dem überall vorhandenen Reichtum an Steinmaterial ein Leichtes, in ihrem eigenen Interesse diese Terrassenbauten wieder instand zu setzen. Eine andere Möglichkeit bestände in einer materiellen Unterstützung der Wiederinstandsetzung solcher Terrassen, sei es durch Steuerbefreiung während dieser Zeit oder auf sonstige Weise. Ein Rundblick z. B. in die Umgebung Jerusalems auf die unzähligen alten Terrassenlinien beweist zur Genüge, was für intensiv bearbeitetes Gartenland hier einst gewesen sein muß, während heute nur sehr armselige Felder und dürftige Schafweiden der Landschaft das Gepräge verleihen. Am erfolgreichsten ist aber immer und überall das Beispiel. Wir sind jedoch selbst noch nicht so weit, ganz abgesehen davon, daß wir nur wenig, größere Flächen im Berglande zur Verfügung haben, ist die so wichtige Kultivierungsaufgabe uns allen