Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 20 (1937)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1937)
- Article
- Jewish Agency. Von Spectator.
- Date
- 1937-10-01
- Page
- Seite 510 (sequence 3)
- Language
- German
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ausdrücklich von Verträgen die Rede, und die Mandatskommission ist der Meinung, daß die durch Verträge gestützte Scheinsouveränität auch noch hinausgeschoben werden soll. Inzwischen sollen entweder zwei Mandatsgebiete errichtet werden, oder soll man zu dem oft empfohlenen, aber von der Peel-Kommission abgelehnten Mittel der Kantonisierung greifen. Beides wären Vorstufen der Teilung, aber sie würden nicht so abrupt neue Formen schaffen. Die Gedanken der Mandatskommission haben gewiß viel für sich, auf der anderen Seite aber kann man auch nicht verkennen, daß jedes neue Provisorium auch die Möglichkeiten des wirtschaftlichen Aufbaues verringert und zugleich die politische Kampflust der Parteien neu aufstachelt. So schwer es jedem Beteiligten sein muß, den Gedanken einer definitiven Teilung des Landes hinzunehmen, so muß doch — da es augenscheinlich keinen anderen Ausweg gibt — anerkannt werden, daß eine notwendig gewordene Operation besser früher als später durchgeführt wird. Der Völkerbundrat, dem der Bericht der Mandatskommission vorlag, war formell in seinen Entschlüssen frei. Er stand jedoch unter dem Eindruck der Erklärung des englischen Außenministers, daß England nicht gewillt sei, das Mandat in der bisherigen Form weiterzuführen. Theoretisch wäre es möglich, eine andere Mandatarmacht zu bestimmen, praktisch liegt eine solche Alternative völlig außerhalb des Bereiches der Wirklichkeit, da England seine Interessen in Palästina unter keinen Umständen aufgeben wird. Es war also zu erwarten, daß auch der Völkerbundrat den englischen Vorschlägen zustimmen wird. England wählt den Weg über Genf, aber in Wahrheit hängen alle wirklichen Entscheidungen nur von England selbst ab. Nach der Behandlung durch den Völkerbundrat hatte England die Sache noch durch die Völkerbundversammlung hindurchzusteuern. Auch das gelang schließlich, obwohl in der Versammlung selbst und noch mehr in der für politische Fragen zuständigen sogenannten sechsten (politischen) Kommission sich auch deutliche Opposition gegen Englands Pläne zeigte. Besonders bemerkenswert ist dabei die mit Spannung erwartete Stellungnahme der beiden arabisch sprechenden Mitgliedstaaten des Völkerbundes, Ägypten und Irak, die insofern in einer heiklen Position waren, als England von ihnen als seinen Aliierten eine gewisse Loyalität verlangen kann, während sie auf der anderen Seite der arabischen Welt gegenüber zu einer deutlichen Parteinahme für das Arabertum verpflichtet sind. Das Resultat war eine gewisse Halbheit, indem die Vertreter der beiden Staaten zwar scharfe Reden hielten, der einstimmigen Annahme der vorgelegten Resolutionen aber keine Schwierigkeiten bereiteten. Man muß dabei noch bedenken, daß einerseits die Resolutionen ziemlich vage formuliert waren und anderseits die Versammlung auch keine Beschlußrechte in solchen Fragen hat, die allein dem Rate zustehen. Daß der Beschluß der Völkerbundversammlung nur eine Vollmacht zu weiteren Vorbereitungen, keineswegs aber bereits eine Zustimmung zu Englands Teilungsplan darstellt, hat der irische Ministerpräsidet De Va- 1 e r a, der wohl noch die Teilung seines eigenen Landes vor Augen hat, nach der Abstimmung mit großem Nachdruck festgestellt. Die an einer starken jüdischen Auswanderung interessierten Länder, also vor allem Polen, aber auch Litauen und Lettland, betonten in den Genfer Debatten, daß im Falle der Durchführung des Teilungsplanes der jüdische Staat einen solchen Umfang haben müsse, daß er auch in Zukunft jüdische Einwanderer in erheblicher Zahl aufnehmen kann. Dieser Gesichtspunkt wurde aber nicht nur von den direkt interessierten Staaten vorgetragen, sondern auch von einigen der neutralen Staaten, so z. B. von dem Vertreter Norwegens. Dazu kommt die Gruppe derjenigen Länder, die seit je dem Zionismus mit Sympathie gegenüberstehen, wie z. B. die Kleine Entente unter