Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 20 (1937)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1937)
- Article
- Jewish Agency. Von Spectator.
- Date
- 1937-10-01
- Page
- Seite 511 (sequence 4)
- Language
- German
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Führung der Tschechoslowakei. Diese setzen sich gleichfalls dafür ein, daß jede Neuregelung die legitimen jüdischen Interessen wahren müsse. W i e dies freilich im Einzelnen durchgeführt werden soll, darüber wird wenig gesagt, so daß es meist bei den platonischen Wünschen bleibt. Hinter allen diesen Diskussionen steht im Grunde die Frage, ob ein direkter Zusammenhang zwischen dem Palästina-Problem und der europäischen Judenfrage anerkannt wird. Auch der Vertreter Frankreichs hat sich auf den Standpunkt gestellt, daß die Judenfrage zwar ein sehr wichtiges internationales Problem geworden ist, aber in anderem Zusammenhange selbständig behandelt werden müsse. Ganz kraß hat der Vertreter des Iraks es ausgesprochen: wenn die europäischen Staaten ihre Judenfrage lösen oder das von den christlichen Völkern an den Juden verübte Unrecht wieder gutmachen wollen, so mögen sie das gefälligst in Europa selbst besorgen, nicht aber auf Kosten eines außereuropäischen (des arabischen) Volkes. Einen großen praktischen Wert wird man diesen Diskussionen nicht beimessen dürfen. Sie zeigen aber, wie eng die Grenzen sind, innerhalb derer eine Handlungsfreiheit bei der Lösung der Palästina- Frage überhaupt besteht. Nach Abschluß der langwierigen Genfer Prozeduren hat jetzt England eine neue Kommission zu ernennen, die nach Palästina gehen soll, um mit Arabern und Juden zu verhandeln und vielleicht auch bereits die Grenzen der künftigen Staaten festzusetzen. Möglicherweise wird für diesen Zweck noch eine spezielle Grenzkommission eingesetzt werden. Die Erwartung, daß Lord Peel auch in dieser Kommission eine führende Rolle spielen wird, wurde durch seinen plötzlichen Tod zunichte gemacht. Inwieweit die neuesten Ereignisse in Palästina den Gang der Dinge aufhalten werden, ist nicht vorauszusagen, man darf aber annehmen, daß England gerade darum so scharf zugegriffen hat, um zu verhindern, daß der um sich greifende Terror die Arbeit der neuen Kommission unmöglich macht. Die Jewish Agency, die aus dem Züricher Kongreß nicht gerade gestärkt hervorgegangen ist, steht nunmehr vor der Aufgabe, die weiteren Stadien zur Durchführung des Peel-Berichtes mit eigener kluger Politik und Zielbewußtsein zu begleiten. Schon der Beginn dieses Arbeitsjahres hat gezeigt, daß der Weg kein leichter sein wird, und er wird noch erschwert durch die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die sich immer mehr aufhäufen. Mit einer politischen Stabilisierung, wie sie hoffentlich das nächste Jahr bringen wird,, würde dann der Weg für einen neuen Einsatz konstruktiver Kräfte offen sein. WIRTSCHAFT* Von Dr. Alfred Michaelis, Tel Aviv. Halb Jahresbilanz der Wirtschaftslage* Objektive und stimmungsmäßige Faktoren. Die wirtschaftliche Entwicklung im ersten Halbjahr 1937 ist in ihrem konjunkturellen Grundzug weiter durch die abwartende, stagnierende Haltung bestimmt worden. Der Bericht der Königlichen Kommission, der Züricher Kongreß, die Stellungnahme der Mandatskommission und des Völkerbundes haben bisher nicht vermocht,, eine wirtschaftliche Belebung herbeizuführen, obwohl sich die Linien der weiteren Entwicklung bereits deutlich abgezeichnet haben. Das erklärt sich einerseits aus objektiven Faktoren: die Einwanderung ist auf ein minimales Niveau gesunken, auch die Kapitaleinwanderung ist gering, die Kaufkraft ist sehr zurückgegangen, der Orangenexport der letzten Saison war im finanziellen Ergebnis enttäuschend, so daß von der Bedarfsseite aus alle Anregungen für