Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 20 (1937)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1937)
- Article
- Jewish Agency. Von Spectator.
- Date
- 1937-10-01
- Page
- Seite 509 (sequence 2)
- Language
- German
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spricht sich von diesem Einschreiten eine Desillusionierung der Araber und hofft, daß diese nun eher zu Kompromissen bereit sein werden. Auf der anderen Seite ist die Frage noch ungeklärt, bis zu welchem Grade England die »Politik der starken Faust« durchzuhalten entschlossen ist. Es ist nicht schwer vorauszusehen, daß sich Widerstände dagegen erheben werden, nicht zuletzt in England selbst, wo die Palästina-Politik durch diese Ereignisse nicht populärer geworden sein dürfte- Die Hauptfrage ist jedoch, ob die arabische Bewegung stark genug ist, einen solchen Schlag auszuhalten und unter allen Opfern ihre Arbeit weiterzuführen. Sollte dies der Fall sein, dann ist eine Lösung noch nicht in Sicht. Man braucht nur an die letzten zwanzig Jahre der Geschichte des benachbarten Ägyptens zu denken, um zu erkennen, daß die englischen Methoden in derartigen Fällen nicht einheitlich zu sein pflegen. Die »Politik der starken Faust«, die in Ägypten nach der Ermordung des Sirdar Sir Lee Stack 1924 angewandt wurde, hat nicht verhindert, daß die Engländer wieder Verhandlungen mit der Partei anfingen, die sie kurz zuvor proskribiert haben. Der Grundgedanke der heutigen Politik in Palästina ist zweifellos der Wille, den Teilungsplan des Peel-Berichtes so schnell als möglich und gegen alle Widerstände durchzuführen, um dadurch der durch das Palästina-Mandat erzeugten Verantwortung ledig zu sein. Daher hat sich England bemüht, seine Vorschläge durch die Gremien des Völkerbundes hindurchzusteuern. Große Begeisterung haben diese Vorschläge in Genf nicht gefunden, sie war auch nicht zu erwarten, denn das Peel-Projekt stellt offenkundig eine Notlösung dar, es ist ein Verlegenheitsprodukt, das niemanden befriedigen kann und seine Existenz nur dadurch rechtfertigt, daß niemand einen anderen Ausweg weiß, es sei denn, daß man die jüdischen Ansprüche und die den Juden gegebenen feierlichen Versprechungen völlig negieren wollte. Die Instanzen des Völkerbundes können das naturgemäß nicht tun und infolgedessen bleibt ihnen nichts anderes übrig, als dem Plane zuzustimmen, mit dessen Hilfe die Mandatarmacht die jüdischen Ansprüche wenigstens teilweise befriedigen will. Die Mandatskommission, die bekanntlich nur als Experten-Ausschuß des Völkerbundrates gilt und keine eigenen Beschlüsse fassen kann, hat zwar die Probleme der Palästina-Verwaltung gründlich erörtert und mit ihrer Kritik nicht zurückgehalten, aber schließlich doch irgend einer Form der Teilung zugestimmt. Die endgültigen Einzelheiten sind ja ohnedies noch nicht festgelegt. Die Argumente der Mandatskommission sind durchaus einleuchtend, besonders wenn sie davor warnt, den künstlich durch Teilung geschaffenen oder zu schaffenden Staatsgebilden zu früh volle Souveränität zu geben. Das Bedenken, daß solche Staaten nicht lebensfähig sein können, drängt sich ja sofort auf, und auch vom jüdischen Standpunkte besteht kein Zweifel, daß ein ganz selbstständiger Judenstaat, an dessen Wohl und Wehe sich die Weltmächte desinteressieren würden, nicht akzeptabel ist, da er naturgemäß in der heutigen Welt sofort eine Beute irgend eines Angreifers werden müßte. Der Glaube an staatliche Zwerggebilde dieser Art konnte ja nur in einer Zeit bestehen, wo man noch glaubte, daß das Wilson- Programm von 1918 die Grundlage einer neuen Weltordnung würde. In diesem Programm hieß es, daß in Zukunft alle Staaten und Völker gleichberechtigt sein werden, der Große mit dem Kleinen, der Schwache mit dem Starken, geschützt durch eine verbindliche internationale Rechtsordnung. Es bedarf keines Nachweises, daß dieser Traum nickt verwirklicht wurde. In der heutigen Welt kann ein so kleines Gebilde nur durch Anlehnung an eine größere Macht existieren. Es ist nicht anzunehmen, daß England den teuflischen Plan hat, nur um sich von den Verpflichtungen des Palästina-Mandates zu befreien, selbst einen winzigen Judenstaat in die Welt zu setzen und seinem Schicksal zu überlassen. Darum ist ja auch im Peel-Bericht