Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 20 (1937)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1937)
- Article
- Die soziale und pädagogische Lage der orientalisch-jüdischen Jugend in Jerusalem
- Date
- 1937-10-01
- Page
- Seite 504 (sequence 9)
- Language
- German
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der materiellen Not der Jugend Rechnung tragen müssen, werden beköstigen, Obdach geben, Körperpflege und Hygiene betonen, Schulkenntnisse vermitteln- Daneben stehen die Inhalte, die aus der europäischen oder amerikanischen Arbeit bekannt sind: Gemeinschaftsleben der Jugend, Verbindung mit der nicht im Settlement erfaßten Jugend, Orientierung über die jüdische Wirklichkeit, Weckung und Stärkung des Naturgefühls. Auf diese Weise können die Settlements zu Zentren für die Jugend der Bezirke werden und die Bewegung schaffen, die die Kinder von der Straße fortzieht, die Bewegung, durch die sie auf ein Leben produktiver Arbeit vorbereitet werden. Und gerade weil sie vorbereitende Funktion haben, bieten sie die Möglichkeit, in jedem Jahr eine große Zahl von Jugendlichen (jedes Settlement etwa 150) zu erfassen und intensiv zu bearbeiten, und eine ebenso große Zahl wenigstens peripher zu beeinflussen. Die Kosten sind gering im Vergleich zu den Kosten der Heimerziehung: für einen Betrag von 1,25 £P kann ein Kind monatlich versorgt werden, wie wir es dargestellt haben. Als letzten Punkt eines Jugendfürsorgeprogramms möchte ich eine Maßnahme erwähnen, die, wenn sie durchgeführt würde, nicht nur die Situation der gefährdeten Jugend, sondern die der palästinensischen Jugend überhaupt entscheidend beeinflussen könnte: planmäßige Überführung städtischer Jugend aufs Land. Hierher gehören zwar auch die bereits oben erwähnten Forderungen: Kinder in ländlichen Familien unterzubringen und Erziehungsheime auf dem Land' zu schaffen. Aber im Rahmen eines Umschichtungsprogramms spielen diese beiden Maßnahmen eine geringere Rolle als die Einordnung der Jugendlichen in ländliche Arbeitsgruppen, die Bildung solcher Gruppen als selbständige Einheiten. Die Erfahrung der deutschen Jugendalijah beweist, daß es möglich ist, in Palästina durch eine entsprechende Vorbereitung und Erziehung junge Menschen verschiedener sozialer Herkunft in größerer Zahl zu vollwertigen Landarbeitern zu machen. Zwar wird niemand behaupten, daß die Erfahrungen, die mit der aus Deutschland kommenden Jugend gemacht wurden, in toto auf die palästinensische oder gar auf die orientalische Jugend übertragen werden können. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Organisation einer palästinensischen Jugendalijah, die Methode der Erziehung (und auch die Finanzierung der Arbeit) einen völlig anderen Charakter tragen würde als die der deutschen Jugendalijah. Aber das Prinzip ist das gleiche: Nutzbarmachung junger Kräfte für die jüdische Landwirtschaft und Nutzbarmachung der besonderen gesellschaftlichen Formen der jüdischen Landwirtschaft und ihrer starken pädagogischen Werte für die städtische Jugend; Einordnung der jungen Menschen in eine ihnen entsprechende Form gemeinschaftlichen Lebens und — auf diesem Wege — in das arbeitende Palästina, innerhalb dessen sie Fremdkörper sind, solange wie sie, vernachlässigt und sich selbst überlassen, in den Städten leben. In diesem Zusammenhang ist es interessant, auf die Erfahrungen hinzuweisen, die Tel Aviv gerade in der letzten Zeit mit dieser Axt der sozialtherapeutischen Jugendarbeit gemacht hat. Das Jugendfürsorgeamt der Stadtverwaltung hat zusammen mit dem Jugendbund der Histadruth, dem Noar Owed, eine Reihe von Jugendlichen (und unter ihnen manche, die jahrelang ohne Erfolg behandelt und' betreut worden waren) in ländlichen Arbeitsplätzen eingeordnet. Anlaß zu dieser Einordnung bot der Mangel an Arbeitskräften während der letzten Orangenerntezeit. Einige dieser Jugendlichen wurden nach Abschluß der Erntearbeit in verschiedene Hachscharah-Gruppen des Noar Owed eingeordnet und mit ihnen zunächst auf ein Jahr in verschiedene Kibbuzim geschickt.