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Palästina · 1937-10-01 · Heft 10 (Oktober 1937) · p. Seite 503

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Journal
Palästina
Volume
20 (1937)
Issue
Heft 10 (Oktober 1937)
Article
Die soziale und pädagogische Lage der orientalisch-jüdischen Jugend in Jerusalem
Date
1937-10-01
Page
Seite 503 (sequence 8)
Language
German
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daß für eine produktive Berufsausbildung öffentliche Fonds in Palästina und im Ausland als Helfer herangezogen werden können. Vielleicht wendet man auch ein, daß ein Abgleiten vom Handwerkerberuf in den des Arbeiters nicht immer -negativ zu bewerten ist, weil auf diese Weise das Niveau des Arbeiters, auch des ungelernten, gehoben werden kann. — Darauf wäre zu erwidern, daß psychologische Überlegungen und Erfahrungen diese These zweifelhaft erscheinen lassen, und daß, selbst wenn sie zurecht bestehen sollte, die Forderung einer besseren Fundierung der handwerklichen Berufe und einer Stärkung des beruflichen Verantwortungsgefühfls dadurch nicht berührt oder gar erschüttert werden kann. Aber aus allem, was bisher gesagt wurde, geht hervor, daß unser Problem einen doppelten Aspekt hat: den der technischen Erziehung (Erlernung des Handwerks im engeren Sinn) und den der charakterlichen Erziehung (Stärkung des Verantwortungsgefühls dem Werk gegenüber). Der zweite Aspekt führt über die Frage der Lehre hinaus zur Frage, durch welche speziellen Maßnahmen die am wenigsten vorbereiteten und am meisten gefährdeten oder bereits \ervahrlcslen crientalischen Jugendlichen dahin gebracht werden kennen, daß sie den Anforderungen des modernen Berufslebens gewachsen sind. Welche Erziehungsform gibt uns die Möglichkeit, die vielen vernachlässigten, in ihrer Primitivität sich selbst überlassenen Jugendlichen pädagogisch und gesellschaftlich zu »bearbeiten«, sie an das heutige Palastina zu adaptieren, sie zu festigen oder zu restaurieren — schon bevor die Forderungen erfüllt sind, die wir aufgestellt haben, schon bevor Schulen, Heime, Berufsschulen, Lehrstellen in ausreichendem Maße vorhanden sind19? Die Einrichtung, die zu schaffen ist, soll ihren pädagogischen Einfluß auf eine sehr große Zahl von Kindern und Jugendlichen ausüben; die Kosten dürfen nicht zu hoch sein, wenn der Plan in absehbarer Zeit verwirklicht werden soll; die Kinder und Jugendlichen sollen nicht aus dem Familienzusammenhang gerissen werden, die Erziehung der Kinder soll vielmehr indirekt auch den Eltern und der Familie zugute kommen; Gemeinschaftserziehung, Berufsausbildung und Wissensvermittlung müssen gleichzeitig erfolgen. Die einzige Institution, die diesen Anforderungen entspricht, ist die des »Settlements das in den Wohnvierteln der verwahrlosten und gefährdeten Jugend, in den Elendsbezirken der Städte errichtet werden muß. Hier können alle gefährdeten Kinder und Jugendliche des Bezirks zusammengefaßt werden; Aufbau und Gestaltung des Settlement wird zum größten Teil das Werk der beteiligten Jugend sein, die auf diese Weise zu einer sinnvollen Gemeinschaftsarbeit erzogen werden kann. Da viele Jugendliche nur dann erfaßt werden kennen, wenn ihnen eine Einnahmequelle als Ersatz für den entgangenen Verdienst, den sie sich als Zeitungsverkäufer, Schuhputzer, Gelegeheitsarbeiter verschaffen können, eröffnet wird, da viele Eltern nur unter dieser Bedingung zustimmen werden, daß ihre Kinder das Settlement besuchen, werden im Mittelpunkt des palästinensischen Settlement (im Gegensatz zu europäischen oder amerikanischen Institutionen dieser Art) von Anfang an Werkstätten stehen, die nach einiger Zeit wenigstens einem Teil der Jugendlichen auch Erwerbsmöglichkeiten geben müssen. Auch in anderer Hinsicht wird das Settlement nicht nach dem Muster der ausländischen Vorbilder kopiert werden: so werden wir viel stärker 9 Ich bin Herrn Dr. Hans Lubinski, Jerusalem, dafür zu Dank verpflichtet, daß er uns einen Weinen Aufsatz über Form und Funktion des Settlement in Palästina zur Benützung überlassen hat.

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