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Palästina · 1937-10-01 · Heft 10 (Oktober 1937) · p. Seite 505

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
20 (1937)
Issue
Heft 10 (Oktober 1937)
Article
Die soziale und pädagogische Lage der orientalisch-jüdischen Jugend in Jerusalem
Date
1937-10-01
Page
Seite 505 (sequence 10)
Language
German
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Dies ist ein Anfang und ein Versuch, der zum Ausgangspunkt einer großen Bewegung werden könnte, wenn es gelänge, eine Organisation ins Leben zu rufen, die sich die Überführung palästinensischer Stadtjugend aufs Land zum einzigen Ziel setzen würde. Es versteht sich von selbst, daß diese Gesellschaft in enger Verbindung mit den bestehenden Jugendverbänden, vor allem mit dem Noar Owed arbeiten müßte. Ihre Aufgabe wäre: Schaffung von Vorbereitungsgruppen auf dem Land- Zur Schaffung einer solchen müssen etwa 6000 £P zur Verfügung stehen. An einem Platz können 150 Jugendliche ausgebildet werden. Die Dauer der Ausbildung beträgt 2 Jahre. Die Kosten sind auf 30 £P pro Kopf und Jahr zu schätzen. Nach den bisher gemachten Erfahrungen können vorläufig alle 2 Jahre mindestens 4 solcher Hachschara-Gruppen gebildet werden, die nach erfolgter Ausbildung zur Ansiedlung kommen würden, natürlich den Gesetzen entsprechend, denen die Ansiedlung von Gruppen in Palästina unterliegt. Für eine solche Umschichtungsarbeit wären also ein Investitionskapital von zirka 24.000 £P und ein Jahresbudget von zirka 18.000 £P nötig. Aber diese Zahlen und Ausmaße gelten nur für den Anfang der »Bewegung aufs Land«, die nur allmählich in weiteren Kreisen der palästinensischen Stadtjugend propagiert werden kann. Heute ist der Wille, aufs Land zu gehen, bei vielen städtischen Jugendlichen nicht vorhanden, oder er ist nicht klar bewußt, weil ihnen die Anschauung und die Erfahrung fehlen. * Wenn aber der Plan gelingen sollte, wird zwischen den Ausbildungsgruppen und der Schuljugend der Städte ein ständiger Kontakt hergestellt werden (z. B. durch Ferienlager), und es ist zu erwarten, daß dadurch das Leben auf dem Lande eine immer stärkere Anziehung auf die Stadtjugend ausüben wird. Die Jugend, die wir aufs Land bringen wollen, ist zwar eingewandert, lebt aber tatsächlich außerhalb Palästinas, ist von dem Aufbauwerk weiter entfernt als (z. B.) die in Deutschland lebenden Juden. Und ebenso wie die Juden der ganzen Welt es als ihre Pflicht angesehen haben, der in Deutschland lebenden jüdischen Jugend ein produktives Leben in Freiheit und Arbeit zu ermöglichen, so müssen sie verstehen, daß auch die Erziehung der anderen Teile der jüdischen Jugend nicht nur eine Angelegenheit Palästinas, sondern eine Aufgabe der jüdischen Weltsolidarität ist. Der Zionist bedarf keiner Rechtfertigung dieser Forderung: er weiß, daß das zionistische Ziel nie erreicht werden kann, wenn es nicht gelingt, die Einheit der divergenten Elemente des Volkes durch aktive Erziehung herbeizuführen. Aber auch der Nichtzionist, der in Palästina lediglich das Aufnahmeland für die Juden aus den Ländern der Verfolgung sieht, und für den daher der wichtigste Faktor die Aufnahme fähigk e i t des Landes ist, muß einsehen, daß diese Aufnahmefähigkeit in direktem Verhältnis zu der erfolgten Vereinheitlichung der heterogenen Bevölkerungsteile steht. Die Erziehungsarbeit stellt, von diesem Gesichtspunkt aus betrachtet, den wesentlichsten Teil der »Erschließungsarbeit« dar. Nachbemerkung der Schriftleitung. In diesem Aufsatze konnten die Möglichkeiten, die sich aus der geplanten Bildung eines jüdischen Staates ergeben, nicht mehr berücksichtigt werden. Eine jüdische Verwaltung würde sich wohl die Vorschläge des Verfassers zu eigen machen, da aber Jerusalem (besonders die Altstadt) nicht im Machtbereich dieser Verwaltung wäre, dürfte für die große Mehrheit der orientalischen Juden keine Verbesserung der Lage ihrer Kinder eintreten. Doch ist zu hoffen, daß der jüdische Teil Jerusalems dem geplanten jüdischen Staat angeschlossen werden wird.

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