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Palästina · 1937-10-01 · Heft 10 (Oktober 1937) · p. Seite 502

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
20 (1937)
Issue
Heft 10 (Oktober 1937)
Article
Die soziale und pädagogische Lage der orientalisch-jüdischen Jugend in Jerusalem
Date
1937-10-01
Page
Seite 502 (sequence 7)
Language
German
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weil' ihre Ausbildung in den Händen von »Meistern« liegt, die selber nicht systematisch geschult sind, die nur in Ausnahmefällen präzise zu arbeiten gelernt haben, und die fast ausnahmslos unfähig sind, als Berufspädagogen zu fungieren. Die Wirkung dieser Faktoren ist berechenbar und wird durch die tägliche Erfahrung bestätigt: daß auch die jungen Handwerker die Technik ihres Handwerks nur mangelhaft beherrschen, und daß ihnen das Gefühl der Verantwortung für das zu bearbeitende Material und für die zu leistende Arbeit fehlt. Hier liegen pädagogische Aufgaben vor uns, deren Erledigung ebenso dringlich wie lohnend ist: Schaffung einwandfreier Handwerksschulen und vor allem Einrichtung eines handwerklichen Lehrlingswesens durch planmäßige organische Ausbildung, die von den besten Meistern überwacht und mit Prüfungen verbunden sein muß. Die Schwierigkeiten, die der Realisierung eines solchen. Programms im Wege stehen, sollen nicht verkannt werden. Man darf sich vor allem nicht der Illusion hingeben, daß die Forderung von heute auf morgen erfüllt werden könne; was durch Generationen hindurch vernachlässigt worden ist, kann nur allmählich nachgeholt werden. Aber dies ist der einzige Weg, der zur Erziehung eines verantwortungsbewußten Handwerkerstandes führt, und der den das Handwerk lernenden Jugendlichen eine gewisse Garantie dafür gibt, daß sie den Anforderungen einer zivilisierten Klientel Genüge leisten können, in ihrem Beruf vorwärtskommen werden, und nicht, wie es heute der Fall ist, wieder in den Beruf des ungelernten Arbeiters abgleiten müssen. Fragen wir uns, mit welchen Mitteln wir schon jetzt daran arbeiten können, das berufliche Niveau des Handwerkerstandes zu heben, so finden wir, daß die Aussichten, auf dem Weg der Handwerker schule zum Ziel zu gelangen, gering sind, weil solche Schulen zu kostspielig sind. Dagegen verspricht ein anderer Weg mehr Erfolg: Einrichtung von handwerklichen Fortbildungskursen, um den Lehrlingen zur theoretischen Vertiefung ihrer praktischen Arbeit zu verhelfen. Das Programm solcher Fortbildungskurse besteht aus: Materialkunde, Rechnen und Werkzeichnen. Ein Kurs muß auf wöchentlich 10 Stunden und auf eine Gesamtdauer von 2 Jahren berechnet sein. Die Kosten sind gering; sie müßten von zentralen Instanzen oder Fonds getragen werden. Gleichzeitig müssen Fortbildungskurse für die Lehrherren eingerichtet werden. Es ist anzunehmen, das zunächst nur die bereits etwas fortgeschritteneren Meister für solche Kurse als Schüler gewonnen werden können. Aber auch das würde genügen, allmählich einen Stand von Meistern zu erziehen, die dann fähig wären, ihre Lehrlinge gut auszubilden. Das Ziel dieser Kurse ist: theoretische Vertiefung, Kenntnis der Maschinen und Beherrschung der Lehrmethode zu vermitteln. Man wird vielleicht einwenden, daß Palästina noch nicht in der Lage ist, eine große Zahl guter Handwerker zu ernähren — worauf zu antworten wäre, daß die Zahil der Handwerker nicht größer zu sein braucht, als sie heute ist, daß eine planmäßige handwerkliche Erziehung nur die Qualität der Handwerker verbessern, nicht aber ihre Zahl vermehren würde. Oder man wird einwenden, daß eine solche Ausbildung mehr Zeit und Geld erfordert als gerade diejenigen Familien, aus denen heute die meisten jugendlichen Handwerker kommen, in ihre Kinder investieren können — worauf zu erwidern wäre, daß wir also nicht nur die Aufgabe haben, die Kinder zu erziehen, sondern auch die (gewiß noch sehr viel schwierigere) Aufgabe, die Eltern allmählich zu der Einsicht zu bringen, daß sich eine solche Mehrinvestition lohnt; und außerdem ist zu erwarten,

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