Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 20 (1937)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1937)
- Article
- Die soziale und pädagogische Lage der orientalisch-jüdischen Jugend in Jerusalem
- Date
- 1937-10-01
- Page
- Seite 501 (sequence 6)
- Language
- German
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einer vorzeitigen Entfernung des Kindes aus der Schule und damit indirekt zur Verwahrlosung des Kindes Anlaß geben.) 6. Unterbringung von Jugendlichen auf dem Land in Familien, deren soziale und pädagogische Eignung geprüft worden ist und ständig kontrolliert wird. 7. Unterbringung gefährdeter, schwer erziebbarer und verwahrloster Kinder Und Jugendlicher in Erziehungsheimen auf dem Land, Basierung der Heilerziehung auf dem Prinzip der Arbeitserziehung (fachliche Ausbildung). Mit den beiden letzten Forderungen haben wir den Fragenkreis der Schule bereits verlassen und sind in den der Berufsausbildung eingetreten. Wir hatten darauf hingewiesen, daß sich die Berufsstruktur der jungen Generation der orientalischen Eddth' nur unwesentlich von der Berufsstruktur ihrer Väter zu einer Anpassung an die Erfordernisse des Aufbaus entwickelt. Wir hatten gezeigt, daß, von dem höheren Prozentsatz der Bureau- und Ladenangestellten abgesehen, bei den Knaben etwas mehr Handwerker und dementsprechend weniger ungelernte Arbeiter zu finden sind, daß jedoch die handwerkliche Ausbildung mangelhaft und oft unvollständig ist, so daß die Jugendlichen nach einiger Zeit in den Beruf des ungelernten Arbeiters »zurückfallen«. Wir hatten hervorgehoben, daß bei den Knaben (abgesehen von wenigen Ausnahmen, die sich jedoch erklären lassen) die Korrelation zwischen erreichter Bildungsstufe und Berufstätigkeit ziemlich deutlich sichtbar ist, während eine solche Korrelation bei den Mädchen nicht nachweisbar ist, und daß die Mädchen, was ihre Berufsausbildung und ihre berufliche Erfaßtheit betrifft, viel mehr vernachlässigt sind als die Knaben. Wir müssen uns also fragen, in welcher Richtung und mit welchen Mitteln wir die berufliche Entwicklung der jungen Generation zu beeinflussen haben, wenn wir ihren Bedürfnissen und denen des Landes gerecht werden wollen. Keiner wird bestreiten, daß für den Aufbau des Landes nicht nur Geld, Maschinen und Organisationen erforderlich sind, sondern in gleichem, wenn nicht noch in höherem Maße die entsprechend vorbereiteten Menschen, die eigentlichen Exekutivorgane des Aufbaus. Aber diese Einsicht hat bisher noch nicht zu der notwendigen Kensequenz einer planmäßigen beruflichen Erziehung aller Schichten der jungen Generation, also auch der orientalischen Jugend geführt. Auch diese Frage ist viel zu weitgehend, als daß wir sie im Rahmen dieser Untersuchung anders als andeutungsweise behandeln könnten. Am wenigsten brauchen wir uns um eine fachliche Vorbereitung Jugendlicher für die verschiedenen Handelsberufe zu kümmern, wenn auch nicht geleugnet werden soll, daß Handelsschulen ausbaufähig wären, und vor allem, daß der Sprachunterricht in und nach der Schule verbessert werden muß. Es ist eine immer wieder bestätigte Erfahrung, daß gerade in den Handelsberufen das Prinzip der natürlichen Selektion des Geeigneten regulierend wirkt, und daß das unternehmende Kapital es versteht, sich den Stab geeigneter Arbeiter heranzuziehen, den es braucht. Allerdings sprechen wir hier nur von der fachlichen Vorbereitung, und nicht von der berufsethischen Haltung. Über sie zu sprechen, ist nicht unsere Aufgabe: sie ist eine Funktion des Wirtschaftssystems und läßt sich nicht durch einzelpädagogische Maßnahmen beeinflussen. Indirekt jedoch können und müssen wir auch auf die Erziehung für diese Berufe einwirken: durch Erziehung der Jugendlichen zu Präzision, zu Verantwortung und zu logischem Denken und durch Erweiterung ihres Verständnisses der wirtschaftlichen Erfordernisse und der wirtschaftlichen Struktur des Landes. Das eigentliche Problem der städtischen Berufserziehung der orientalischen Jugend ist jedoch ein anderes: es ist das Problem der handwerklichen Schulung. Auf diesem Gebiet ist in Palastina noch so gut wie nichts getan, und die orientalischen Jugendlichen, die ein Handwerk erlernen wollen, sind' ganz besonders stark vernachlässigt,