Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 20 (1937)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1937)
- Article
- Die soziale und pädagogische Lage der orientalisch-jüdischen Jugend in Jerusalem
- Date
- 1937-10-01
- Page
- Seite 498 (sequence 3)
- Language
- German
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gehen bei der Schätzung von Jerusalem aus, obwohl wir wissen, daß die Verhältnisse in Jerusalem nicht ohne weiteres auf das ganze Land übertragen werden können. 1. In Jerusalem lernen zur Zeit 5700 (4 bis 13jährige) Kinder in Kindergärten und Volksschulen, 1400 in privaten und höheren Schulen, 2000 in der Alliance- und in der Rothschild-Schule, 3800 in religiösen Schulen, 500 in Missionsschulen, 600 in Heimen. Die Zahl der überhaupt nicht erfaßten kann auf 4000 geschätzt werden. Die Gesamtzahl der zu versorgenden Schulkinder beträgt also zirka 18.000. 2. Für die Schulung werden zur Zeit mindestens 80.000 £P jährlich ausgegeben. Von diesem Betrag zahlen die Eltern die Hälfte (allerdings weniger als ein Viertel des in öffentlichen Volksschulen und in Kindergärten erforderlichen Betrages. Der größte Teil der Elternbeiträge entfällt auf die privaten, halbprivaten und religiösen Schulen); Regierung und Jewish Agency zahlen zusammen etwas mehr als ein Viertel, Stiftungen etwas weniger als ein Viertel. 3. Die Mängel des bisherigen Systems sind, daß 4000 Kinder überhaupt nicht unterrichtet werden, daß 1800 nur in primitiven Chedarim »lernen«, und daß die leistungsunfähigen Eltern selbst durch einen Bruchteil des Schulgeldes in ungerechter Weise belastet werden (was zur Folge hat, daß die Kinder vorzeitig aus der Schule genommen werden). 4. Eine gerechtere Lösung wäre die folgende: Zwei Drittel der für die jüdischen Volksschulen und Kindergärten notwendigen Beträge bringt der Jischuw durch Steuern auf; ein Drittel zahlt die Regierung. — Schulgeldzahlung fällt dann fort. — Alle Kinder, die bisher nicht oder nicht in zureichendem Maße erfaßt sind, werden in Schulen eingeordnet. — (Für private, halböffentliche, höhere, religiöse Schulen und für Heime werden natürlich Eltern und Stiftungen nach wie vor heranzuziehen sein.) 5. Eine Berechnung für die 18.000 Jerusalemer Schulkinder ergibt auf dieser Grundlage einen Jahresbetrag von 110.000 £P (Steuer: 50.000 £P; Regierung: 23.000 £P; Eltern: 20.000 £P; Stiftungen: 17.000 £P). Der erforderliche Mehrbetrag ist also 30.000 £P jährlich. 6. Eine Berechnung für das ganze Land ergibt, daß die Versorgung aller Kinder im Alter zwischen 4 und 13 Jahren in öffentlichen Kindergärten und Volksschulen etwa 350.000 £P jährlich kosten wTürde. Das »Regierungsdrittel« würde demnach etwa 110.000 £P betragen, das heißt ungefähr das Dreifache des bisher bewilligten Betrages. Aber das Wesentliche des Reformvorschlages liegt nicht in der (sehr erheblichen) Erhöhung des Subventionsbetrages, sondern in einer Änderung der Berechnungsgrundlage: anstatt die Subvention wie bisher nach der Kopfzahl der Bevölkerung im Schulalter festzusetzen, soll er zu dem von jüdischer Seite aufzubringenden Betrag in Relation gebracht werden. Es scheint uns gerechtfertigt, eine solche Forderung zu erheben, wenn auf der anderen Seite eine entsprechende Leistung der jüdischen Bevölkerung, nämlich die Aufbringung des doppelten Betrages durch Steuern, steht. 7. Über die Form der Steuer soll hier nicht gesprochen werden. Fest steht jedoch, daß die zur Zeit üblichen Formen der Besteuerung auf Grund der Mietzinse (auch die besondere Schulsteuer in Tel Aviv nimmt die Miete zur Grundlage) und die steuerähnliche Schulgeldzahlung ungerecht sind, weil sie die leistungsunfähigen (erfahrungsgemäß kinderreichen) Familien mehr belastet als die leistungsfähigen. Zwar wäre auch mit diesem Programm noch keineswegs ein Ideal verwirklicht: Forderungen wie Ganztagsschule, Verkleinerung der Klassen usw. müßten vorläufig noch zurückgestellt werden, obwohl die pädagogische Notwendigkeit solcher Reformen nicht zu bestreiten ist. Aber die wesentliche Aufgabe könnte so (und nur so) gelöst werden: vcn den Kindern abgesehen, die in privaten Volksschulen, in religiösen Schulen oder in höheren Schulen erzogen werden sollen, und für die die Eltern oder Stiftungen zu zahlen haben, könnte die Gesamtheit der im Schulalter stehenden Knaben und Mädchen pädagogisch erfaßt werden. Gleichzeitig müssen eine Reihe vcn Forderungen gestellt werden, die keine zusätzlichen Mittel erfordern, Reformen der Methode und Organisation. Ich will es Berufeneren überlassen, die dringend notwendigen Reformen des Lernprogramms