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Palästina · 1937-10-01 · Heft 10 (Oktober 1937) · p. Seite 497

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
20 (1937)
Issue
Heft 10 (Oktober 1937)
Article
Die soziale und pädagogische Lage der orientalisch-jüdischen Jugend in Jerusalem
Date
1937-10-01
Page
Seite 497 (sequence 2)
Language
German
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arbeit und -verdienst. Es läßt sich nicht leugnen; daß eine solche Einstellung gerade die primitivsten Edbth charakterisiert, und daß sie auch bei höher entwickelten Edoth zu finden ist, wo es sich um die Schulerziehung der Mädchen handelt. Aber diese Tatsache ist kein Einwand gegen die Forderung der allgemeinen Schulpflicht, sondern eher ein Beweis ihrer Berechtigung. Wir dürfen nicht vergessen, daß in allen Ländern der Welt Schul1 zwang (das Wort sagt es ja deutlich genug) eine gegen die Eltern gerichtete Maßnahme war, daß überall ein Kampf, oft eine Generation hindurch, geführt werden mußte, bis sich im Bewußtsein der Eltern der Wandel vollzogen hatte, bis sie gelernt hatten, die Schulpflicht als Schulrecht zu betrachten. Aus diesem Grunde muß auch zusammen mit einem Gesetz, das den Schulbesuch obligatorisch macht, ein zweites Gesetz verbunden werden: das die Kinderarbeit reguliert und1 einschränkt. Nur in Verbindung mit einem solchen Gesetz hat ein Schulgesetz Aussicht auf Erfolg. Von den politischen Schwierigkeiten, die einem Schulgesetz in Palästina im Wege stehen, soll hier nicht gesprochen werden: sie wTären nicht unüberwindbar, wenn nicht die bekannten ökonomischen Einwände bestünden: die Frage der Finanzierung des obligatorischen Volksschulwesens, die in anderen Ländern dem Gesetzgeber obliegt, kann in Palästina nur gelöst werden, wenn eine allgemeine Einkommensteuer oder eine spezielle Schulsteuer erhoben werden könnte. Es darf zwar nicht verkannt werden, daß auch diese finanztechnische Frage mit der »innerpolitischen« verschränkt ist, aber trotzdem haben wir nicht das Recht, das ganze Problem ad acta zu legen, nur deshalb weil der palästinensische Gesetzgeber aus diesem oder jenem Grunde der Ansicht ist, daß der Zeitpunkt für eine radikale Lösung noch nicht gekommen sei; sondern wir müssen uns fragen, ob und in welchem Maße der jüdische Sektor der Bevölkerung die große Aufgabe der Jugenderziehung selbständig in Angriff nehmen kann. Was heute noch als Utopie erscheint, kann in nicht allzu ferner Zukunft Wirklichkeit werden, wenn wir nur den Mut zur Erkenntnis unserer sozialen Bedingungen, zur Konsequenz und — zur Utopie haben. Wir stellen die Forderung des obligatorischen Schulbesuchs auf. Wir wissen, daß diese Forderung nur aufgestellt werden darf, wenn jeder, auch der Ärmste, die Möglichkeit hat, seine Kinder in die Schule zu schicken, das heißt wenn er für den Unterricht nichts zu bezahlen hat. Wir wissen aber auch, daß wir ohne eine vorangehende eigene Leistung nicht mit einer wesentlichen Hilfe von Seiten der palästinensischen Regierung rechnen dürfen. Wir haben also den Weg der Selbsthilfe zu beschreiten. Unsere Forderung ist eine europäische Forderung; sie verlangt daher europäische Finanzierungsmethoden. Träger der Forderung ist die organisierte jüdische Gemeinschaft; die jüdischen Kommunen, die Kehilloth, haben also auch die Mittel aufzubringen. Die Mittel können nur aufgebracht werden, wenn die jüdischen Gemeinden Steuern einführen,, deren Höhe der von uns erhobenen Forderung entspricht. Die Einführung solcher Steuern zur Finanzierung des Schulwesens, der sozialen Fürsorge und des Gesundheitswesens setzt die Säkularisierung der Kehillah voraus. Die bisherigen — religiösen — Hauptaufgaben der Kehillah werden durch eine solche Säkularisierung nicht berührt, sie erhalten nur einen anderen Akzent, einen anderen »Platz« im Gesamtgefüge der Kehillah; die für diese Aufgaben notwendigen Mittel würden bei einer Säkularisierung nur prozentual, das heißt proportional zum Gesamtbudget verringert werden, nicht aber absolut. Um ein Bild von der Aufgabe, die vor uns liegt, zu bekommen, müssen wir fragen, wras das Schulwesen für alle Kinder zwischen 4 und 13 Jahren kosten würde, und in welcher Weise 'die Lasten auf die möglichen Träger gerecht zu verteilen wären. Wir

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