Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 20 (1937)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1937)
- Article
- Die soziale und pädagogische Lage der orientalisch-jüdischen Jugend in Jerusalem
- Date
- 1937-08-01
- Page
- Seite 450 (sequence 14)
- Language
- German
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Fürsorge für Einwandererkinder in erster Linie auf Vorbereitungskurse und Kindergärten für Jüngere und auf Abendkurse für Ältere erstrecken müssen. An dieser Stelle wollen wir auf das Zurückbleiben in der Schule eingehen, das besonders klar die Situation der Schulkinder beleuchtet. Wenn wir das Anfangsalter für die erste Klasse einer Talmud-Thora-Schule mit sechs, für die erste Klasse einer Volksschule mit sieben Jahren ansetzen6, so ergibt sich in Prozenten der Zahl der in diesen beiden Schultypen erfaßten Kinder ausgedrückt, daß 64% der Knaben und 57% der Mädchen nicht in einer ihrem Alter entsprechenden Klasse lernen, und daß die durchschnittliche Zahl der Jahre, die die Schulkinder zurückgeblieben sind, für Knaben 1,2 und für Mädchen 0,8 beträgt. Die Ursachen des Zurückbleibens sind vor allem in der wirtschaftlichen Lage der Familie zu suchen. Wir haben bereits auf die Folgen dieser Lebensbedingungen hingewiesen: daß die Kinder nur in Ausnahmefällen die Möglichkeit haben, ihre Schularbeiten zu Hause ungestört zü erledigen, daß sie die Schule meist unregelmäßig besuchen und von den Eltern nicht nur nicht zu regelmäßigem Besuch angehalten, sondern sogar zeitweilig von der Schule ferngehalten werden, wenn sich die Möglichkeit oder die Notwendigkeit einer Arbeit ergibt. Ein Grund für das stärkere Zurückbleiben der Knaben ist die geringe Vorbereitung, die sie durch das Cheder bekommen; und es ist eine bekannte Tatsaqhe, daß die meisten orientalischen Knaben, bevor sie in eine Volksschule eintreten, ein Cheder oder eine Talmud-Thora-Schule besuchen. Die Kenntnisse, die ihnen dort vermittelt werden, reichen nicht aus, ihnen ein müheloses Mitkommen in einer ihrem Alter entsprechenden Klasse der Volksschule zu ermöglichen. Auf die Überfülltheit der Klassen als Ursache des Zurückbleibens haben wir bereits hingewiesen. Die Einwanderung spielt in diesem Zusammenhang natürlich eine wichtige Rolle. Stellen wir die Untersuchung, die wir für alle Sc'hulkinder angestellt haben, für diejenigen an, die im Zeitpunkt ihrer Einwanderung fünf bis zwölf Jahre alt waren, so finden wir, daß von diesen Kindern etwa 70% nicht in einer ihrem Alter entsprechenden Klasse lernen, und daß die durchschnittliche Zahl' der Jähre, die sie zurückgeblieben sind, für die Knaben 1,3 und für die Mädcjien 1,4 beträgt. Das erstaunliche Faktum, das aus einem Vergleich dieser Zahlen mit den obigen hervorgeht, ist, daß sidh die Einwanderung auf die Mädchen unverhältnismäßig negativer auswirkt als auf die Knaben. Eine Erklärung i&indet diese Tatsache dadurch, daß die Mädchen weniger als die Knaben Gelegenheit haben, die hebräische Sprache zu erlernen, weil sie mehr als die Knaben zu Hause gehalten werden und daher weniger Kontakt mit hebräisch sprechenden Altersgenossen haben. Außerdem teilen die Mädchen im Schulalter melir als' ihre Brüder die wirtschaftlichen Sorgen der Mutter, die in der Periode der Einordnung natürlich noch mehr belastet ist als in späterer Zeit. Die vierte Frage ist die nach dem erreichten Bildungsgrad. Auskunft darüber gibt eine Statistik von ungefähr 1300 über neun Jahren alten Kindern und Jugendlichen, die zum Teil die Schule verlassen, zum Teil niemals eine Schule besucht haben. Von ihnen haben ungefähr 13% (14% der Knaben und 12% der Mädchen) eine hebräische Volksschule, eine Missionsschule oder eine Schule im Ausland beendet. Zählen wir zu ihnen noch diejenigen, die eine Talmud Thora oder eine Jeschiwah beendet haben (zirka 6% der Knaben), so ergibt sich, daß insgesamt nur 16% der Kinder eine abgeschlossene Schulbildung haben! Die Mehrzahl verläßt die Schule aus der 4. oder 6 Nur diese beiden Schultypen kommen für unsere Untersuchung in Betracht, weil nur in ihnen die Klasse festgestellt werden kann, in der das Kind lernt.